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Warum mein Artikel über das Wisentgehege Usedom eine Schreibblockade auslöste

Letztes Jahr hatte ich mir vorgenommen, euch mehr mitzunehmen auf kleine Ausflüge in meiner Heimat. Die kleinen Auszeiten die man sich im Alltag so gönnt. Das hat ja auch ganz gut geklappt als ich mir die Inselgärtnerei Usedom angesehen habe oder in der Inselkäserei Käse probieren durfte, doch dann war ich im Wisentgehege Usedom in Dargen / Prätenow.

Wisentgehege auf Usedom – Mehr als ein Touristenziel

Klar wusste ich schon vorher das Wisente unter Artenschutz stehen. Doch ansonsten habe ich mich mit diesen majestätischen Tieren noch nicht weiter beschäftigt. Ich wusste auch nichts über das Artenschutz-Programm für Wisente.

An einem sehr schönen Tag im August machten wir uns also auf den Weg nach Prätenow auf Usedom. Der Ort liegt nicht einmal 15 Kilometer von meinem Wohnort entfernt und trotzdem war ich in fast 4 Jahren auf Usedom noch nicht ein Mal dort. Was, wie ich an diesem Tag feststellen musste, definitiv ein Fehler war.

Da ich ja schon mit dem Plan, über das Ausflugsziel zu schreiben, ins Wisentgehege gefahren bin, hatte ich mich mit Herrn Weichbrodt verabredet. Herr Weichbrodt hat das Wisentgehege Usedom aufgebaut und er betreibt es auch. Herr Weichbrodt hat sich ganz viel Zeit für mich genommen, um alle meine Fragen zu beantworten. Fragen, die allerdings durch die Antworten auch immer mehr wurden!

Und so schließt sich auch der Kreis, wie es zu meiner Schreibblockade kam. Denn nach dem Gespräch war ich begeistert von dem Projekt, dass ich nicht so recht wußte, wie ich der Arbeit und dem ganzen Herzblut, welches in dieses Projekt geflossen ist, mit nur einem Artikel gerecht werden soll?

Wahrscheinlich müsste man ein ganzes Buch schreiben! Doch auch so ein Buchprojekt würde dem nicht gerecht werden, auf alle Fälle schon mal nicht, wenn ich das Buch schreibe. 😉 Mal davon ab, dass ich zu Anfang dachte, ich schau mir nur eine weitere Touristen-Attraktion auf der Ostseeinsel an. Tatsächlich habe ich mir aber wirklich ein Artenschutz-Projekt angeschaut, welches so großartig ist und vor allen Dingen das Wisent wahrscheinlich vor dem Aussterben gerettet hat. Das war mir vorher nicht klar!

Wisentgehege Insel Usedom
Wisentgehege Insel Usedom

Nachgedacht über „rote Listen“ und aussterbende Tier- und Pflanzenarten

Es ist sehr schwierig zu dem Thema bedrohte Tiere-und Pflanzenarten zu recherchieren.

Denn egal was man sucht, …ab wann gilt eine Art als bedroht… ab welcher Anzahl pro Rasse ist eine Tierart bedroht?

Man bekommt hier sehr unterschiedliche Aussagen. So etwas erschwert das Thema sehr. Generell sind Tierarten, die bedroht sind, wohl eher solche, von denen es weniger als 10.000 Stück in freier Wildbahn gibt. Ab und zu heißt es aber auch nur ab 1.000 Exemplaren der Art, ist eine Tierart bedroht. Zusätzlich wird auch unterschieden, ob Tiere als generell ausgestorben gelten oder ob sie nur nicht mehr in der Wildnis bzw. freien Natur existieren.

Schaut man sich die „Rote Liste der bedrohten Tier und Pflanzenarten“ an, so ist es doch erschreckend, dass die neuste Liste derzeit – 23.928 Tiere und Pflanzen – als gefährdet ausweist. Das ist rund ein Drittel der 82.945 Tier und Pflanzenarten die derzeit bekannt sind. Es soll etwa 10 Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde geben und nur 2 Millionen sind davon jetzt beschrieben.

Das heißt aber auch im Umkehrschluss, täglich sterben mehrere Arten aus. Bei Tieren ist man der Meinung das eine Art die unter 100-250 Tiere zählt nicht mehr gerettet werden kann.

Wissenswertes über das Leben der Wisente

Das Wisent war früher fast überall in Europa zu finden. Doch durch zunehmende Besiedlung, Jagd und Rodung der Wälder wurde das Wisent dann immer weiter nach Osten vertrieben. Innerhalb weniger Jahrhunderte hatte der Mensch die größte Tierart Europas fast ausgerottet.

Im Winter 1755 lebten in Ostpreußen die letzten 4 Wisente auf deutschem Staatsgebiet. Drei davon wurden gefangen und in einen Wildpark bei Berlin gebracht. Das letzte freilebende Wisent wurde von 2 Wilderern erschossen. Diese beiden wurden zu 10 Jahren Haft verurteilt. Im 19 Jahrhundert gab es freilebende Wisente nur noch im Urwald von Bialowieza. 1860 noch fast 1.900 Exemplare. 1865 erhielt der Fürst von Press (Oberschlesien) 4 Wisente als Geschenk vom Russischen Zar. 1918 lebten bereits 74 Wisente im Wildgehege von Pless. Nur wenige überlebten die Aufstände und den Bürgerkrieg nach Ende des 1. Weltkriegs.

Wisentgehege Usedom
Wisentgehege Usedom
Wisentgehege auf Usedom
Wisentgehege auf Usedom

Diese Wisente aber sollten einmal die Rettung für das Europäische Wisent werden! Denn zu Beginn des 1. Weltkriegs lebten im Urwald von Bialowieza noch über 700 Wisente. Krieg und Wilderei ließen den Bestand aber in wenigen Jahren zusammenbrechen. Der Niedergang der letzten Wisente Europas war nicht aufzuhalten!

1919 suchten polnische Wissenschaftler im Urwald von Bialowieza nach Wisenten. Doch leider wurde im April des Jahres das letzte freilebende Wisent abgeschossen. Der Bergwiesent im Kaukasus wurde dann 1927 ausgerottet. Im August 1923 gründeten Deutsche Zoodirektoren die „Gesellschaft zur Rettung des Wisent“. Man begann die Zucht mit 54 Tieren die in Zoo´s und Wildgehegen überlebt hatten. Alle diese Wisente stammen nur von 12 Elterntieren ab.

1936 wurden große „Naturschutzgebiete“ ausgeschrieben, in denen heimisches Großwild ausgesetzt werden sollte. Das „germanische-Urwild“ lebte erstmals seit Jahrhunderten wieder in freier Natur – z.B. auf dem Darß bei Rügen in Mecklenburg Vorpommern oder in der Schorfheide.

1929 begann man in Bialoweiza erneut mit der Wiesent-Zucht. Während der Kriegsjahre wurden die Tier zum Teil in die freie Wildbahn entlassen. Nach Abzu der Kriegstruppen konnte die Zuchtarbeit fortgesetzt werden.

1952 konnten die ersten Wisente wieder in den Urwald freigelassen werden. 1980 begann die Universität Posen in Polen Wisente auszuwildern. Heute gehört der Wisent wieder zur Pommerschen Tierwelt. In 6 Ländern Europas leben wieder 2.000 Wisente in freier Natur, etwa 1.200 leben in Tierparks und Gehegen.

Doch es muß gesagt werden, die Tiere weisen, aufgrund ihrer Verwandtschaft, eine hohe genetische Übereinstimmung auf. Weiterhin ist der Wisent eine bedrohte Tierart. Auch wenn es in Deutschland wieder freilebende Wisente gibt. Im März 2010 kamen sie z.B. im Rothaar-Gebirge in Westfalen an.

Die größten Erfolge in der erneuten Auswilderung inklusive Wisent-Fortpflanzung erfolgen in Polen. Das Wisent ist in diesem Land das Nationaltier – daher findet man das Wisent auch oft als Bild auf Wodka oder Bier. Die Wisente genießen in Polen einen besonderen Status, hier ist man stolz auf diese Tiere. Das heißt z.B., sollten die Wisente in Polen einen Schaden verursachen, so werden die entstehenden Kosten von der Regierung übernommen.

Während die Zahlen hier wieder anwachsen, hört man aus der Ukraine aber leider Gegenteiliges. Denn aufgrund der Krise in den letzten Jahren, verhält sich dort die Anzahl der Tiere rückläufig.

Wisentgehege Usedom
Wisentgehege Usedom

Wisentgehege Usedom Eintrittspreise, Öffnungzeiten & Co.

Im Wisentgehege Usedom – bei Herrn Weichbrodt, leben derzeit 6 Wisente. Es sind wirklich beeindruckende majestätische Tiere. Ein Wisent benötigt in etwas 1 Hektar Platz – man könnte auch sagen Auslauffläche. In Prätenow gibt es wirklich viel Platz für die Tiere um sich wohlzufühlen.

Wer also mehr über diese Tiere wissen möchte, sollte unbedingt dem Wiesentgehege auf Usedom einen Besuch abstatten.

  • Wisentgehege Insel Usedom Eintritt: 5.- Euro pro Person
  • Wisentgehege Usedom Öffnungszeiten: Ostern bis Oktober 10 Uhr bis 17 Uhr // Wintermonate 10:30 Uhr bis 15.30 Uhr // Sonderöffnungzeiten an Feiertagen wie z.B. Weihnachten, Silvester etc.
  • Wisentgehege Usedom Dargen Adresse: Wisentgehege Insel Usedom, Heideweg 1, 17419 Prätenow
  • Fütterungszeiten: 10 Uhr und 14 Uhr
  • Mehr Informationen: www.wisentgehege-usedom.de

Den Eintritt von 5.- Euro finde ich für diese Projekt fast zu wenig. Wer mag, darf natürlich auch gern mehr Geld für das Projekt spenden.

Wenn ihr also auf Usedom seid, dann schaut mal beim Wisentgehege vorbei – es lohnt sich. Ich wünsche euch auf alle Fälle viel Spaß beim „selbst erleben“, denn im Wisentgehege kann man auch über andere Tiere noch so Einiges lernen – beispielsweise über den Aueroxen.

Aber am Besten ihr erlebt das einfach selbst! 🙂

Wisentgehege Usedom Eintrittspreise 5.- Euro pro Person
Wisentgehege Usedom Eintrittspreise 5.- Euro pro Person

Ich wurde zu meinem Besuch im Wisentgehege eingeladen.

Ein PS hab ich auch noch. Krimifans unter euch? In einem der letzten Usedomkrimis wurde auch im Wisentgehege Usedom gefilmt… nur als kleine Info am Rande.

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Sindy Hartig

Hier schreibt Sindy Hartig

Sindy ist Spa-Managerin mit Leib und Seele. Nach der Ausbildung zum Masseur/medizinischer Bademeister folgte das Studium in Qualitätsmanagement und Spa-Management. Sie hat schon weltweit in Spa- und Wellnessbereichen gearbeitet und hat immer ein Auge auf Wellness-Trends. Aktuell wirkt sie als Spa-Managerin auf der Sonneninsel Usedom und beim Wellness-Bummler könnt ihr auch regelmässig Reiseberichte - mit Wellnessfaktor - von ihr lesen.

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Kommentare

blubber12 am 8. März 2017 um 09:11 Uhr

Liebe Sindy, ein großes Lob zu deinem Blog! Ich gehe selbst gern auf Reisen und suche Orte und Landschaften, an denen ich mich wohlfühle und erholen kann. Seit meiner Kindheit an besuche ich regelmäßig mein Wellnesshotel in der Schweiz, weil es mir dort am besten gefällt und ich die Landschaft über alles liebe. Mitten in der Natur entkomme ich dem Stress sehr schnell, und Wanderferien lassen sich in der Schweiz ja sowieso prima machen 😉 Mach weiter so, deine Artikel sind sehr interessant und inspirierend!