Great Barrier Reef: Kunterbunte Unterwasserwellness

Sonnenuntergang

Runzlige Finger, badewannenwarmes Wasser und angenehme Erschöpfung gibt es nicht nur im steierischen Thermenland, sondern auch beim Tauchen am Great Barrier Reef

Unterwasserwellness am größten Korallenriff der Erde

Auf der Suche nach australischen Wellness-Momenten habe ich bisher die schillernde Metropole Sydney besucht und zwischen Möwen, bei der Fährenfahrt durch den Hafen und beim Blick auf den legendären Bondi Beach so einige Wohlfühl-Hochs gehabt. Weiter geht es im tropischen Cairns im nordöstlichen Queensland. Da sich Australien auf der Südhalbkugel der Erde befindet, sind nicht nur Sommer und Winter im Vergleich zur Nordhalbkugel vertauscht, die Sonne geht auch im Westen auf, steht zu Mittag im Norden und versinkt im Osten. Die Auswirkungen dieser verdrehten Welt bekomme ich mit voller Wucht zu spüren, als ich in Cairns, das fast 2500 Kilometer nördlich von Sydney liegt, aus dem Flugzeug steige und um 18.00 Uhr abends von knapp 34 Grad warmer Luft und 70% Luftfeuchtigkeit empfangen werde – während die Temperatur in Sydney durchschnittlich bei angenehmen (trockenen) 25 Grad lag.

Riff

Riff in 10 Metern Tiefe – kaum noch Farben zu erkennen

Willkommen in den Tropen!

Bei Cairns treffen einer der ältesten Regenwälder der Welt, der Daintree Rainforest, und das größte Korallenriff der Erde aufeinander – für mich als naturliebende Wellness-Bummlerin sind Wohlfühlmomente bei der Erforschung dieser beiden Naturwunder natürlich vorprogrammiert. Los geht es mit einem zweitägigen Schnorchel- und Tauchtrip zum Great Barrier Reef. Dieses gilt als der größte lebende Organismus der Erde, erstreckt sich über eine Länge von 2300 Kilometern entlang der Ostküste Australiens und ist flächenmäßig beinahe so groß wie Deutschland (Ganz exakt ist es 344.000 km² groß, während die Bundesrepublik Deutschland eine Fläche von 357.170 km² misst.)

Das Great Barrier Reef bietet Lebensraum für über 600 Korallenarten, mehr als 100 Quallenarten, 1625 verschiedene Fisch- und 133 Hai- und Rochenarten, verschiedenste Weichtiere und über 30 Delfin- und Walgattungen.

Korallenterrassen

Korallenterrassen – wie aus einer anderen Welt

Cairns: Wo gibt’s am meisten Riff für mein Geld?

Erforscht werden kann das Great Barrier Riff bei ein- oder mehrtägigen Tauch- oder Schnorchelexkursionen; die meisten Touren starten von Cairns aus. Die Auswahl eines Tauch-Veranstalters hat sich für mich allerdings als etwas knifflig erwiesen, einfach weil es in und um Cairns so extrem viele Anbieter mit unterschiedlichsten Sonderaktionen und Specials gibt, die preislich trotzdem alle recht nah beisammen  liegen.

Nach ausführlicher Recherche habe ich mich schließlich für einen Liveaboard Dive (Übernachtung und Tauchgänge von einem am äußeren Great Barrier Reef verankerten Schiff aus) bei „Cairns Dive Adventures“ entschieden – hauptsächlich, weil ich dort die Preisgestaltung am übersichtlichsten fand und gleich fünf „Introductionary Dives“  (Anfängertauchgänge, die von einem Guide begleitet werden) im Paket buchen konnte. Außerdem durfte ich kostenlos eine Unterwasserkamera ausborgen. Ich war aber auch sonst rundherum zufrieden mit Cairns Dive Adventures, da sich Manager Clint im Vorfeld sehr viel Zeit für die Beantwortung und Zerstreuung meiner zahlreichen per Mail geäußerten Fragen und Bedenken nahm und dann am Tag meiner Ankunft in Cairns sogar etwas länger im Büro blieb, damit ich meine Unterwasserkamera direkt nach meiner Landung noch abholen konnte.

ReefEncounter

Überraschend geräumig – Reef Encounter

Nach einer eher kurzen und gänzlich unspektakulären Nacht (wohlweislich habe ich mich trotz Samstagabend von den zahllosen reichlich backpackerfrequentierten Bars und Clubs der städtischen Partymeile ferngehalten und bin deshalb einigermaßen ausgeschlafen) geht es dann auch schon raus aufs Wasser und zum „Reef Encounter“, dem Boot, auf dem ich die nächste Nacht verbringen werde. Der „Reef Encounter“ bewegt sich zwischen verschiedenen Ankerplätzen am äußeren Great Barrier Reef hin und her, verfügt über gemütliche Kojen (mit eigenen Badezimmern) für bis zu 42 Gäste, hat gut gepflegtes Schnorchel- und Tauchequipment an Board und ist ganz allgemein überraschend komfortabel ausgestattet, mit einer großzügigen klimatisierten Lounge, einem zum Relaxen einladenden Sonnendeck und sogar einem Hot Tub (ich sag ja Wellness). Nach meiner Ankunft gibt es ein schnelles Mittagessen und ein ziemlich kurz gehaltenes Tauchbriefing, und dann heißt es schon: Wetsuit und Tauchgear an und ab ins 30 Grad warme Wasser.

Ankerkette

Ankerkette – Die einzige Verbindung zur Welt über Wasser

Great Barrier Riff – Findet Nemo!

Und da habe ich gleich als erstes ordentlich mit der schon von meinem Tauchguide vorausgesagte Panikminute zu kämpfen, in der das Gehirn einfach nicht verstehen will, dass es aller Logik zum Trotz ausnahmsweise auch unter Wasser mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird. Plötzlich bekommt jeder einzelne Atemzug den Charakter einer nur mit äußerster Konzentration zu meisternden Aufgabe, und das Reinigen des Mundstücks mit einem Mund voller Salzwasser, das einfach nicht rauswill, wird – im wahrsten Sinne des Wortes – zur Lebensaufgabe. Doch nach einer Weile, als sich meine Atmung langsam wieder beruhigt hat und auch bis in den hintersten Winkel meines Hirns vorgedrungen ist, dass meine Luftversorgung tatsächlich gesichert ist, beginnt die Magie dieser neuen Welt, in der ich schwebe, zu mir durchzudringen. Kaum tauchen wir – drei Tauchneulinge und ein Guide – langsam an der Ankerkette entlang nach unten, vergesse ich meine anfängliche Unbeholfenheit im Angesicht der unzähligen verschiedenfarbigen Fische um mich herum. Verschiedenfarbig zumindest in den ersten Metern, denn schon ab drei Metern Tiefe kann das menschliche Auge keine Rottöne mehr wahrnehmen, und ab fünf Metern wird die Farbe Orange zum Problem. Aber auch wenn die Clownfische, die ich wenige Minuten später geschäftig in und aus ihren Anemonen schwimmen sehe, eher grau als strahlend orange wirken, tut das meiner Begeisterung keinen Abbruch. Und als ich in der Ferne eine Schildkröte vorbeigleiten sehe, beschließe ich, dass ich eigentlich überhaupt nicht mehr zurückwill in die laute, hektische Welt über Wasser.

Tauchguide

Immer den Flossen des Tauchguide hinterherschwimmen

Aber als ich dann ungefähr 25 Minuten später meinen plötzlich viel zu schwer erscheinenden Körper mitsamt Sauerstoffflasche und Weight Belt recht ungeschickt zurück an Board hieve und mit wackeligen Knien unter die Dusche taumle, muss ich doch eingestehen: Auch wenn mein erster Tauchgang definitiv ein Abenteuer war und rückblickend viel zu schnell vergangen ist, so richtig wellness-mäßig war er ehrlich gesagt trotzdem nicht. Dafür fühle ich mich gerade viel zu erschöpft statt entspannt. Den ultimativen Genußmoment habe ich dann aber, als ich mich fünf Minuten später auf einer Sonnenliege an Deck ausstrecke (mit reichlich Sonnencreme mit Schutzfaktor 50 eingecremt – die australische Sonne ist wegen dem Ozonloch besonders unbarmherzig), auf das unglaublich klare Wasser des Korallenmeers blicke und mich von der Sonne und einer leichten Meeresbrise trocknen lasse (und mich dabei darüber wundere, wie anstrengend diese nicht einmal dreißig Minuten unter Wasser für mich als unsportlichen Tauchneuling eigentlich gewesen sind).

Tauchgang

Tauchgang – Auch Tauchen kann eben Wellness sein

Hauptaufgaben an Board: Tauchen, essen und schlafen

Allerdings bleibt mir nicht allzu viel Zeit, um mich vernünftig zu erholen und oder gar zurück ins Wasser zu sehnen, da schon nach einer guten Stunde der zweite Tauchgang des Tages ansteht. Diesmal funktioniert das Untertauchen schon viel besser als beim ersten Mal, und abgesehen von dem mühsamen Schlucken für den Druckausgleich in meinen Ohren fühle ich mich beinahe so wohl wie ein Fisch im Wasser (bitte entschuldigt das schlechte Wortspiel). Außerdem klappt auch die Unterwasserfotografie sehr viel besser als beim ersten Mal. Und vor Begeisterung über den Papageienfisch, der mich beinahe berührt hat, die eleganten Halfterfische, die mich an den weisen Khan von Findet Nemo denken lassen, und die Riesenmuschel, die bei Berührungen so überraschend schnell zuklappt, vergesse ich sogar das nervige Knacksen in meinen Ohren, die die Sache mit dem Druckausgleich einfach nicht hinbekommen wollen.

Sonnenuntergang

Atemberaubend schön – Sonnenuntergang über dem Korallenriff

Das Knacksen will auch an Bord des Reef Encounters nicht ganz verschwinden und begleitet mich bei Abendessen, das mit drei verschiedenen Wraps, hausgemachten Pommes Frites (oder „Hot Chips“, wie sie in Australien heißen), einem Salatbuffet und Schokomousse zum Dessert so gar nichts von halbherzig zusammengerührter Kombüsenkost an sich hat. Meine Ohren knacksen auch fröhlich vor sich hin, als ich den wunderschönen Sonnenuntergang über dem Korallenmeer bewundere, sie knacksen, als ich mich völlig geschafft in meine gemütliche Koje kuschle – und dass am nächsten Morgen nichts mehr knackst, davon habe ich nicht allzu viel. Denn schon um 6 Uhr morgens geht es für meinen dritten Tauchgang ins Meer, das zu dieser frühen Stunde tatsächlich wärmer ist als die Luft.

Koje

In dieser Koje fühlt sich nicht nur der Wellness-Bummler ausgesprochen wohl

Kann Tauchen Wellness sein?

In einer Tiefe von knapp zehn Metern sind meine eigenen rasselnden Atemzüge das einzige, was ich höre, während wir zwischen silbrig schimmernden Fischschwärmen dahinschweben, unter einem Felsen einen riesigen Hummer aufspüren und einem stattlichen Napolenfisch ausweichen. Es geht durch Irrgärten aus Korallenterrassen, über sich in der sanften Strömung wiegende Seegraswiesen hinweg und zwischen scharfkantigen Schluchten durch, und ich bekomme langsam eine erste Vorstellung davon, wie gigantisch groß das Great Barrier Reef eigentlich wirklich ist und warum es als eines der sieben Naturwunder der Erde gilt.

Noch zwei weitere Tauchgänge mache ich an diesem Tag, und mit jedem Mal fällt mir das Atmen mit der Sauerstoffflasche leichter, ist mein Blick ein bisschen geschärfter für die Wunder der Umgebung und entdecke ich neue, fremdartige bunte Fische. Und nachdem ich mich am Nachmittag des zweiten Tages zum – fürs erste – letzten Mal aus meinem Wetsuit geschält habe, kann ich mit Überzeugung sagen, dass auch Tauchen für mich Wellness ist. Und dass ich bei nächster Gelegenheit den Tauchschein machen werde!

Hummer

So gefallen mir Hummer viel bessser – als auf dem Teller

Great Barrier Riff: Nützliche Links

A big thanks you goes to Cairns Dive Adventures for cooperating with us and also for being extremely helpful during my preparations for the trip.

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Was ich sonst noch so in Australien gemacht habe:

Hier schreibt Rafaela Khodai


Rafaela Khodai ist leidenschaftliche Welten- und Wellness-Bummlerin, hat bis auf Australien schon alle Kontinente bereist und fährt ungerne zweimal ins gleiche Hotel. Sie studiert Journalismus und arbeitet als Texterin, Lektorin, Journalistin und Bloggerin. Ihre Spezialgebiete: Selbst organisierte abenteuerliche Individualreisen, gesunde vegetarische Ernährung und Gewichtsmanagement.

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