Wellness Bummler

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Integration, Wanderung und Abschied mit Tränen (Kapverdische Inseln Teil 5)

Mittwoch, den 27.02. – Integration

Die Aussicht zum letzten Mal genießen...
Die Aussicht zum letzten Mal genießen…

Unsere Abschieds-Wanderung. Den Küstenweg als Quintessenz der letzten Tage ist eine der längsten: Nicht sonderlich große Höhenunterschiede, sondern lang. Da ist das Thema Achtsamkeit und Haushalten mit seinen Kräften. Ich habe die Wanderung in 4,5 Stunden geschafft, mit einer Gruppe, ohne groß zu trödeln. So sind wir froh, dass noch so viel Kuchen und Obst vom Nachbartisch übrig bleibt, eine Gruppe von 14 Franzosen. Hoffentlich… doch tun sie.

Immer mal wieder überholen wir uns während der Wanderung gegenseitig. Aber es stört uns nicht so wirklich. Die bizarre Basaltformationen und der weite Blick auf das tosende blau-türkiesene Meer hält uns in seinem Bann. Oder haben wir es geschafft, eine innere Ruhe zu finden, die uns so schnell keiner mehr nehmen kann?

7 Stunden brauchen wir, mit einigen Stopps, u.a. auch bei Manuel in seiner Bar. Er freut sich über uns, da er gerne Geschichten aus der weiten Welt hört. Er hat ein verkrüppeltes Bein und betreibt seine Bar unten in einer Senke am Weg hinter Fontainhas, wo es keine Strasse mehr gibt. Er klagt nie und beeindruckt durch sein „Da und So“ sein.

Die Tagesschau handelt heute von Meer, Berge und Weite, bevor es zum Essen und Tanz zu Carlas Familie geht.

Partylaune...
Partylaune…

5 Töchter, ein Enkel, ein Sohn, Mutter, Vater, Onkel. Alle in einem kleinen Haus mit 4 kleinen Zimmern, wovon eins in eine Bar umgewandelt wurde, damit etwas Geld herein kommt, denn keiner hat eine feste Arbeit. Es wird musiziert mit Gitarren und Cavaquinha, einer kleinen Ukulelenart, Rasseln aus den Früchten einer Akazienart und mit gefüllten Blechdosen.

Die Lieder sind bekannt und alle singen mit. Eine Einführung in Batuko und kapverdianischen Merengue klappt auch mit schmerzenden Wanderfüßen. So geht das Leben auch.

Carla bringt uns noch zur Unterkunft und wir vermissen sie schon jetzt.

 

Donnerstag, den 28.02. – Überprüfung

Shopping... ;-)
Shopping… 😉

Die letzte größere Wanderung dieser Reise findet von Cha de Mato nach Xoxo statt. 1000m Höhenunterschied mit allen Vegetationen, die wir bisher gesehen haben. Eine Erinnerung und eine Festigung des bisher gesehen und erlebten. Was als leichte Wanderung gedacht war, bringt doch die Teilnehmer unterschiedlich an ihre Grenzen. So kann bisher offen Gebliebenes noch aufgegriffen und „bearbeitet“ werden. So wird es wieder rund.

Ein Stopp in Povacao, ein wenig bummeln, bringt die Lebensgeister zurück. Ich frage einen uns entgegenkommenden Ingenieur, ob wir einen Blick in die Halle mit den Dieselgeneratoren werfen können, die die Insel mit Strom versorgen. Klar doch, einfach so. 2 neuere Generatoren tosen vor sich hin. Es ist für mich fast ein Wunder, dass es so gut funktioniert und es dafür recht wenige (na ja es sind schon einige) Stromausfälle gibt.

Was steht an für die nähere Zukunft, ist das Thema für die Abendrunde. Wir ziehen Karten, die es ausdrücken: Loslösung, Freiheit, Neuanfang, Begrenzungen abschneiden. Ach nee.

Das gemeinsame Abschlussessen am Hafen fällt aus, da wir eingeladen werden, bei dem 85. Geburtstag der Mutter der Hausbesitzerin Teil zu nehmen. Aus aller Welt sind die Familienangehörigen zu dieser Feier gekommen. Kapverdianer bleibt und ist man, egal wo man auf der Welt lebt.

 

Freitag, den 1.03. – Alles rund machen

Blick auf den Hafen
Blick auf den Hafen

Die letzte Welle am Hafen und Abschiedsbummel durch die Stadt mit einem Einkehrschwung in einer Minibar. Ja so einfach kann man Räumen eine Atmosphäre geben. Das wäre in ihrer Heimatstadt der Renner.

Vittorino holt uns mit dem Gepäck ab, denn jetzt geht es zum letzten Tag wieder nach Paul. Da der Strand, an dem ich ein Picknick geplant hatte, von den Wellen verschlungen wird, geht es gleich hoch in den Curral, der uns mit Sonne und Gesprächen zu einem erfüllten Nichts-Tun Tag mit einer Einführung in ökologischen Gartenbau einlädt. Ich überspiele meine Fotos, die Musik und die kleinen Videoclips auf einen Stick, den ich ihnen in die Hand drücke. Beide freuen sich über die spontane Aktion. Die Erinnerungen und das Gefühl dieser Reise soll lange in den Alltag hineinreichen. Ja da helfen Fotos und Musik und auch unsere Tagesschauen, da hinter jeder Geschichte eine weitere steckt.

Das gemeinsame Abendessen ist von ruhiger Abschiedsstimmung geprägt, sind wir uns doch in der kurzen Zeit sehr Nahe gekommen.

Keine Sorge, es gibt doch Skype, das funktioniert auch hier am Ende der Welt.

 

Samstag, den 2.03. – Abschied

Merkwürdig, auch wenn wir alle immer das gleiche gegessen und getrunken haben, geht es Hilke schlecht, Kreislauf im Keller. Hatte sie gestern nicht mit voller Inbrunst gesagt, sie wolle nicht weg? Hat der Körper es als Auftrag genommen? Nützt jedoch nichts, der Flieger wartet. So fahren wir mit aller Hilfe, die möglich ist, zum Hafen. Dort wartet Carla, extra mit Freund, um uns zu verabschieden. Carla hatte sogar Freundschaftsbändchen besorgt, Tränen fließen.

Die Überfahrt verläuft ruhig und H. legt sich in mein Hotelzimmer, das ich extra noch gebucht hatte, um die Beiden noch bis zum Flieger bringen zu können, um sich noch auszuruhen.

So bummele ich noch mit Anne. Durch die Stadt: Musik kaufen und letzte Eindrücke sammeln.

Überfahrt...
Überfahrt…

Pünktlich sind wir am Flughafen. Eine Gepäckkontrolle kann mit Humor genommen werden. Unbeholfen, schließlich ist erst  vor kurzem aus dem Provinzflughafen ein Internationaler geworden, untersuchen die Beamten die riesigen Taschen in denen ganz viel typisch kapverdianische Mitbringsel sind. Das freut sie augenscheinlich.

Sicher sind die beiden im Flieger und ich wieder allein.

Eine riesige Teenagerparty am Hafen, wo die besten jungen Tänzer traditioneller Tänze und moderne Minikinies gekürt werden versöhnt mich mit dem irgendwie leeren Abend.

Wenn wir doch auch unsere Tradition so liebevoll und in die Moderne mit integrieren könnten.

Ihr wollt wissen wie meine aufregende Reise – auf dem kleinen Jakobsweg – zu Ende geht? Dann lest hier in den nächsten Tagen den letzten Teil meiner Reise zu den Kapverdischen Inseln. Ich bedanke mich ganz herzlich bei meiner Patin Dagmar für den interessanten Bericht, die vielen tollen Bilder und die wahsinnig tollen Eindrücke. Von dieser einmaligen Reise gibt es auch Video-Mitschnitte, die möchten wir euch natürlich auch nicht vorenthalten.

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Erschienen in: Afrika, Kapverdische Inseln

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Taschenpate

Beitrag eines Taschenpaten

Reisefreudiger Taschenpate berichtet von seinen gemeinsamen Urlaubserlebnissen mit dem Wellness-Bummler.

Wir bedanken uns für die Patenschaft und Reisebegleitung bei Dagmar Thiel.

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