Wellness Bummler

Der Reiseblog mit individuellen Reiseberichten und Erlebnisse - mit Wellnessfaktor - rund um die Welt

Regenwald hautnah bei Cairns

Auf der Suche nach Wohlfühlmomenten im Regenwald stoße ich auf Baumkängurus, mache einen großen Bogen um die australische Brennnessel und vielleicht entdecke ich ja sogar ein Schnabeltier?

Wellnesshafte Entdeckungen im Regenwald Cairns Australien

Meine Suche nach dem ultimativen Wohlfühlerlebnis in Australien hat mich bisher in die quirlige Metropole Sydney und in das backpackerdominierte Cairns im nördlichen Queensland geführt. In den letzten beiden Tagen habe ich mich beim Tauchen am Great Barrier Reef zwischen Fischen und Schildkröten nach Wellness-Momenten umgesehen – die habe ich im 30 Grad warmen Wasser auch zur Genüge gefunden.

Aber da Cairns nicht nur den Ausgangspunkt für die Ausflüge zum Riff, sondern auch für Tagestouren in die „Wet Tropics World Heritage Area“  ist, geht es am Ende meiner ersten Woche in Australien genau dorthin. Das Herz der Wet Tropics ist der Daintree-Rainforest, der ungefähr 135 Millionen Jahre alt ist und als einer der ältesten Regenwälder der Welt gilt. Er bedeckt eine Fläche von knapp 9000m² und bietet Lebensraum für 380 vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und 102 gefährdete Tierarten.

Wellness Australien

Wellness beim Regenwaldwandern

Zahllose Anbieter veranstalten Tagesausflüge in den Regenwald nördlich von Cairns. Die Ablauf ist bei den meisten Touren recht ähnlich: Die erste Station ist üblicherweise der Regenwald bei Mossman Gorge, weiter geht es mit einer Bootsfahrt am Daintree River, bei der Schlangen und Krokodile gesehen werden können. Dann wird noch Cape Tribulation besucht, wo der Regenwald direkt aufs Riff trifft, und manche Touren beinhalten auch einen Abstecher zu den Cassowary Falls oder in das Städtchen Port Douglas. Preislich bewegen sich die meisten Touren zwischen etwa $ 150 bis zu $ 220 – im der Nebensaison wohlgemerkt, dem heißen, feuchten tropischen Sommer.

Off the beaten track

Nachdem ich aber schließlich auf der Suche nach Australiens versteckten Wellness-Momenten bin, habe ich mich für die einzige Tour entschieden, die eine ganz andere Route einschlägt und auch nicht in der Früh, sondern erst am Nachmittag startet – dafür aber bis ca 22:30 Uhr dauert: Wait a while .

Die Route führt ins südwestliche Landesinnere und auf die Atherton Tablelands auf bis auf 800 Meter Seehöhe. Aber – ich gebe es gerne zu – das ausschlaggebende Argument für Wait a while war für mich weder die versprochene spektakuläre Aussicht von einer von Australiens windigsten Straßen noch die Vorstellung davon, den Regenwald bei Nacht erleben zu können. Wirklich überzeugt hat erst mich ein kleiner Satz auf der Website, der verspricht, dass bei Wait a while eine 90%-ige Erfolgschance besteht, Schnabeltiere zu Gesicht zu bekommen.
Diese seltsamen, kleinen Tiere erinnern am ehesten an Bieber mit Entenschnabel, wurden einst von der Englischen Krone für einen schlechten Seefahrerscherz gehalten, und sind eine von nur zwei Tiergattungen, die zwar Eier legen, ihre Jungen dann aber säugen (Kloakentier lautet der Fachbegriff dafür; das andere Tier ist der ebenfalls in Australien beheimatete Ameisenigel). Außerdem – wie könnte es in Australien auch anders sein – sind die Schnabeltiermännchen wegen eines an den Hinterbeinen sitzenden Giftsporns ziemlich gefährlich. Das Gift des Schnabeltiers verursacht bei Menschen starke, Wochen bis Monate andauernde Schmerzen; ein Gegengift dazu gibt es bisher nicht. Da die von Schnabel bis Schwanzspitze nur 40 bis 60 cm messenden Schnabeltiere recht scheu, graubraun gefärbt und noch dazu nachtaktiv sind, bekommen Touristen sie grundsätzlich eher selten zu Gesicht.

Australien Fledermaus

Fledermausbaum direkt im Zentrum von Cairns

Fledermaus und Wallaby

Dementsprechend aufgeregt bin ich, als ich Dienstagmittag in den weißen Van von Guide Paul steige, in dem schon vier andere gespannte Tourengänger warten. Aber da ja noch einige Stunden zu überbrücken sind, bis die Schnabeltiere endlich aufwachen, geht es erst einmal ins Zentrum von Cairns, wo ganz andere Tiere auf uns warten: Flying Foxes. Diese Fledermausart ist sowohl tagsüber als auch nachts aktiv, ernährt sich vorwiegend von Früchten und eine ziemlich große Kolonie der putzigen Tiere hat sich direkt neben dem Novotel Cairns in der Lake Street in einigen große Bäumen eingenistet. Bewaffnet mit Fernrohren beobachteten wir die quirligen und trotz der hellen Sonne so gar nicht schläfrigen Flughunde, wie sie sich verkehrt von Ast zu Ast hangelten, dabei ohrenbetäubend laut kreischten, um die besten Hängeplatze streiten und mich ganz allgemein sehr an einen riesigen Kindergarten voller hyperaktiver Fünfjähriger erinnerten. Ein plötzlicher Regenschauer treibt uns schließlich zurück zum Van, und während wir uns noch über das „unpassende Wetter“ ärgern, erklärt uns Paul schon, dass erstens in den Bergen höchstwahrscheinlich trotzdem die Sonne scheint und zweitens der leichte Regen perfekt ist, wenn wir Wallabys sehen wollen.

Fledermaus Australien

Gar nicht gruslig: Ein Flughund aus nächster Nähe

Und tatsächlich: Wir kurven kaum fünf Minuten durch einen der ruhigeren Außenbezirke von Cairns, da entdecken wir schon eine Wallaby-Herde(„Mob“ genannt) – direkt neben der Straße. Die Mini-Kängurus wett-hoppeln fröhlich über eine Weide, fressen sich am saftig grünen Gras satt und sehen trotz (oder gerade wegen) des mittlerweile strömenden Regens (der meinen Fotos leider keinen Gefallen getan hat) ausgesprochen glücklich aus.

Auf Schnabeltiers Spuren

Weiter geht es in die Tablelands und auf der kurvigen „Gilles Range“ auf 800 Meter Seehöhe hinauf, wo wir dann endlich den Regenwald betreten – und gleich von „Wait a while“ begrüßt werden, einer unscheinbaren Liane, die aber mit so starken Wiederhaken besetzt ist, dass es fast unmöglich ist, sich selbst zu befreien, wenn man sich einmal in einer Wait a while verfangen hat. Auch von der nächsten, recht unspektakulär aussehenden Pflanze halte ich mich lieber fern: Die „Australische Brennnessel“ verursacht bei Berührung (auch durch Kleidung hindurch) extrem starke Schmerzen, die Tage, Wochen oder in Einzelfällen sogar monatelang anhalten können – ein Gegenmittel gibt es bisher nicht. Dafür ist das seltene Baumkänguru mitsamt Baby (bei Kängurus Joey genannt), das wir wenig später in einer Astgabel sitzen sehen, aber vor allem putzig und ansonsten recht harmlos.

Wellness Australien

Anti-Wellness: die Australische Brennessel

Baumkänguru Australien

Wer sitzt denn da? Baumkänguru mit „Joey“

Als sich die Sonne – es regnet tatsächlich nicht in den Bergen – langsam dem Horizont zuneigt, ist es dann endlich Zeit für die Schnabeltiersuche. Unser erster Versuch an einem abgezäunten Stück Land mit einem kleinen Teich besteht vor allem aus Warten, Hoffen und Enten beobachten. Als sich 20 Minuten später immer noch kein Schnabeltier blicken lässt, versuchen wir es an einem nahe gelegenen Fluss weiter.

Tourguide Paul schreitet mit raschem Schritt voraus, scannt mit Kennerblick die Wasseroberfläche nach verräterischen Luftblasen und fängt schon bald an, nervös auf die Uhr zu schauen. Nach dem fünften „We really have to get back now to get dinner“ schließlich, als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben habe, entdeckt Paul plötzlich etwas. Er legt noch einen Zahn zu, duckt sich unter tiefhängenden Ästen hindurch zum Flußufer, und als ich schließlich ganz außer Atem neben ihm zu stehen komme, bin ich gerade noch rechtzeitig da, um ein Schnabeltiermännchen zwei Mal hintereinander rasch auftauchen zu sehen, bevor es unter Wasser um die nächste Flussbiegung verschwindet. Und das qualifiziert für mich auf jeden Fall als Wellness-Moment!

Australien Schnabeltier

Wohlfühlmoment bei der erfolgreichen Schnabeltiersuche

Regenwald bei Nacht

Nach einem leckeren Abendessen in dem Örtchen Yungaburra – wir haben es gerade noch rechzeitig geschafft – geht es im Dunkeln zurück in den Regenwald. Die verschiedenen Stimmen und Geräusche der nachtaktiven Tiere scheinen in der Dunkelheit um ein Vielfaches verstärkt, und der bleiche Mond, der hin und wieder zwischen den rasch ziehenden Wolken hervorblitzt, dient auch eher der stimmungsvollen Beleuchtung als als tatsächliche Lichtquelle. Wir halten uns dicht an Guide Paul, der seine starke Taschenlampe gezielt auf die vielen nachtaktiven Possums richtet, die sich überraschenderweise völlig unbeeindruckt zeigen davon, dass sie plötzlich im Scheinwerferlicht stehen – beziehungsweise kauern. Schlangen sehen wir zwar keine – üblicherweise liegen diese in den frühen Nachtstunden gerne auf der Straße, wenn der Asphalt noch sonnenwarm ist – aber dafür eigenartig glühende Holzstücke – der Grund ist ein fluoreszierender Pilz, einen sich wild ringelnden und erschreckend großen Egel und eine winzig kleine „Micro Bat“, eine Minifledermaus. Und als wir uns schließlich um kurz nach neun Uhr wieder auf den Weg Richtung Cairns machen, bin ich ziemlich müde, immer noch ziemlich satt von dem leckeren Abendessen und außerdem sehr begeistert von den Erlebnissen des Tages. Wohlfühlmomente bei der Regenwaldtour – Check!
Weiter geht die Suche nach australischen Wellness-Momenten im Billabong Sanctuary in Townsville!

Wandern Australien

Guide Paul transportiert einen blinden Passagier

A big thank you goes to Paul from Wait a while for cooperating with me and also for operating such an interesting and educational wildlife spotting tour!

Reiseblogger Trip durch Australien….

Erschienen in: Australien / Ozeanien

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Rafaela Khodai

Hier schreibt Rafaela Khodai

Rafaela Khodai ist leidenschaftliche Welten- und Wellness-Bummlerin, hat bis auf Australien schon alle Kontinente bereist und fährt ungerne zweimal ins gleiche Hotel. Sie studiert Journalismus und arbeitet als Texterin, Lektorin, Journalistin und Bloggerin. Ihre Spezialgebiete: Selbst organisierte abenteuerliche Individualreisen, gesunde vegetarische Ernährung und Gewichtsmanagement.

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