Das Pilger-Berg-Mißverständnis

Wunderschöne Wege und Landschaften auf der Pilger-Route

Da dachte ich doch immer, ich wüßte was ein Berg ist. Doch um die Wahrheit über Berge zu erfahren, mußte ich ausziehen, um eine Pilgertour in Österreich zu erleben. Um die Sache mit den Bergen zu erklären, muß ich dann aber doch etwas zurückspulen.

Pilgern im Mostviertel in Niederösterreich

Vor einigen Monaten erhielt ich eine Einladung zum Pilgern im Mostviertel. Da ich gern wandere, doch natürlich als Norddeutsche nicht viel in den Bergen unterwegs bin, holte ich im ersten Schritt erst einmal Infos zum Mostviertel in Niederösterreich ein.

#BloggerPilgern im Mostviertel

#BloggerPilgern im Mostviertel

Das Mostviertel in Österreich ist in 10 unterschiedliche Regionen aufgeteilt:

Das Mostviertel ist bekannt für schöne Wander- und Radtour-Routen. Vor einigen Jahren, als das Pilgern wieder populärer wurde, wurde auch der Pilgerweg Via Sacra und auch der Wiener Wallfahrerweg wiederbelebt. Auf der Route befinden sich viele Kraftplätze, Kirchen, Klöster, Heiligenfiguren etc. Der Weg führt über steinige Pfade, durch eine Schlucht, bergauf und bergab, lädt zu besinnlichen Momenten und wunderschönen Ausblicken ein. Zum Einkehren und Übernachten bieten sich zertifizierte Via Sacra-Gastgeber, mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis, an.

Keine Berge nur Hügel - #BloggerPilgern im Mostviertel

Keine Berge nur Hügel – #BloggerPilgern im Mostviertel

2015 wird das Mostviertel Schauplatz für die Landesausstellung. Im Fokus stehen hier ganz besonders die „wilden“ Regionen des Mostviertels.

Via Sacra und Wiener Wallfahrerweg

Der Via Sacra und auch der Wiener Wallfahrerweg sind alte Pilgerpfade, die jetzt zu neuem Leben erwacht sind. Er führt von Wien, über Hinterbrühl, Heiligenkreuz, Hafnerberg, Kaumberg, Hainfeld, Rohrbach, St. Veit, Lilienfeld, Türnitz, die heilige(n) Familie/Berge (Annaberg, Joachimsberg, Josefsberg) und Mitternach nach Mariazell.

Auf der Tour warten nicht nur Kirchen, Stifte und schöne Wege...

Auf der Tour warten nicht nur Kirchen, Stifte und schöne Wege…

 

Wunderschöne Wege und Landschaften auf der Pilger-Route

Wunderschöne Wege und Landschaften auf der Pilger-Route

In der Beschreibung des Via Sacra wurde der Weg wie folgt beschrieben: „Überwiegend leichte Talwanderung mit vielen kunsthistorisch und volkskundlich interessanten Stationen. Wegen der zahlreichen Talorte mit ihren Nächtigungsmöglichkeiten leicht in 4 bis 5 mäßig anspruchsvollen Tagesetappen von rund 25 bis 30 Kilometern einzuteilen.“ Unsere Pilgertruppe wurde auf 4 Tageswanderungen eingeteilt.

Durchatmen - der Weg führt auch über Wiesen - #BloggerPilgern auf dem Via Sacra

Durchatmen – der Weg führt auch über Wiesen – #BloggerPilgern auf dem Via Sacra

Einem Nordlicht wie mir, wurde aus dieser Beschreibung nicht ganz klar, dass uns durchaus auch höhere Berge erwarten.

Hügel – drüber – rum – Berg: Deutsch-Österreichische Berg-Sprachbarriere

Bei meiner vorsichtigen Nachfrage, ob ich denn auch als Norddeutsche (mit viel Wander- und Lauferfahrung im eher flachen Land) das Pensum von rund 30 Kilometern pro Tag schaffen würde, wurde mir gesagt „natürlich“. Ich gab noch einmal die Sache mit den Bergen zu bedenken… doch hier wurde mir noch einmal versichert, wie es auch in der Beschreibung stand, dass der Weg eigentlich eher ebenerdig führen würde. Im Mostviertel gebe es tatsächlich nur wenig Berge und die die es gibt, würden wir gar nicht besteigen. Der Weg führt eher dran vorbei.

Aussicht beim #BloggerPilgern

Aussicht beim #BloggerPilgern

Liebe Landsleute, liebe Flachlandtiroler, liebe norddeutsche Menschen ohne große Bergwandererfahrung, hört auf meinen Rat. Ein Österreicher versteht unter einem Berg etwas anderes, als Menschen aus dem „flachen“ Land. Ein Berg beginnt dort erst ab 1.000 Höhenmetern. Alles was darunter liegt, zählt irgendwie anders, jedenfalls nicht als Berg und wird somit auch in landschaftlichen Beschreibungen nicht als Berg aufgeführt sondern z.B. als überwiegend leichte Talwanderung beschrieben. Weißt du Bescheid… 😉

Aussicht beim #BloggerPilgern über die "Berge"

Aussicht beim #BloggerPilgern über die „Berge“

Genau diese Erfahrung mußte ich dann bereits am ersten Pilgertag (bei einer Strecke von läppischen 32 Kilometern) machen. Es ging mehrmals hinauf und auch wieder steil hinunter… doch da die 1.000 Höhenmeter nicht erreicht wurden, war das eben kein Berg sondern nur „rum, rüber oder vorbei“ – wie ich so schön von unserer Pilgerbegleitung Ernst gelernt habe.

Pilgerbegleitung Ernst zeigt uns die Route an Tag 1 - mal im Ernst lieber Ernst "erwarten uns heute Berge?"

Pilgerbegleitung Ernst zeigt uns die Route an Tag 1 „ohne Berge“ – mal im Ernst lieber Ernst 😉

Die Berg-Diskussion begleitete uns (besonders mich und Mit-Pilger-Bloggerin Elena aus Österreich) dann natürlich auch weiterhin. Am dritten Pilgertag wanderten wir dann also auf über 1.000 Höhenmeter und somit war es dann tatsächlich der offiziell erste und einzige Berg auf der ganzen Tour.

Der Beweis - ein Berg... und wir haben ihn bezwungen... Vielen Dank an Hubert vom travellerblog für das Beweisbild

Der Beweis – ein Berg… und wir haben ihn bezwungen… Vielen Dank an Hubert vom @travellerblog für das Beweisbild

Obwohl ich für norddeutsche Verhältnisse natürlich so einige Berge (Araberg, Annaberg, Joachimsberg, Josefsberg etc.) bezwungen habe. Was lernen wir daraus – nur weil Berg dahinter steht, muß es noch kein Berg sein und wer es nicht gewohnt ist Berge zu besteigen, der sollte sich pro Tag lieber kleinere Routen auf die Pilger-Fahne schreiben. Mein persönliches Tempo hätte bei 20 bis 25 Kilometern pro Tag gelegen. Damit hätte ich wohl rund 5 statt 4 Tage gebraucht. Doch ich kann euch beruhigen, meine Berg-Fitness wurde tatsächlich von Tag zu Tag besser und am letzten Tag bin ich fast wie eine Bergziege den Berg hinaufgehoppelt. 😉

Unser Ausblick zum Start am 4. Pilgertag - Im Hintergrund der "Ötscher" (rund 2.000 Höhenmeter) den wir dann tatsächlich nicht mehr bepilgern mußten. :-)

Unser Ausblick zum Start am 4. Pilgertag – Im Hintergrund der „Ötscher“ (rund 2.000 Höhenmeter) den wir dann tatsächlich nicht mehr bepilgern mußten. 🙂

„Ich bedanke mich bei Mostviertel-Tourismus für die Einladung zum #BloggerPilgern und für diese bemerkenswerte Erfahrung. 😉 Solltet ihr mal jemanden aus Norddeutschland brauchen, um eure Landschaftsbeschreibung (für norddeutsche) Gäste zu aktualisieren, stehe ich gern zur Verfügung. ;-)“

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Weitere Berichte zum #BloggerPilgern auf dem Via Sacra:

Hier schreibt Tanja Klindworth


Tanja Klindworth ist nicht nur eine der beiden (Haupt)Reiseblogger beim Wellness-Bummler. Sie schreibt darüber hinaus auch für viele andere Blogs, Webseiten, Reise- und Fachmagazine und ist das Herz der Online-Redaktion des SPANESS-Wellnessmagazins. Ihre Fachbereiche sind: Wellnesstrends, Gesundheit, Urlaub und Reise.

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