Pilger Tagebuch als Herbergseltern

Reiseblogger kulinarischer Pilger Genuss

Wirklichen Grund zur Freude hatten wir nicht. Weder das Wetter war uns freundlich gestimmt, noch kamen Pilger an oder gar in der Herberge vorbei.

In der Nacht allerdings war das nur wenige Stunden andauernde schöne Wetter, vom Vortag wieder vorbei.Was passiert war, lest ihr bei „Pilgern der anderen Art auf dem Jakobsweg in Frankreich

Es zogen wieder dicke Wolken auf und am Morgen war aus Sonnenschein Regen geworden. Im Laufe des Tages wechselte es ständig zwischen stechender Sonne und plötzlichen Regenschauern. Während einer Regenpause nutzten wir die Zeit für ein kleines Boulespiels. Man ist ja auch für kleinste Freuden schon dankbar.

 

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Über diese steinerne Brücken müssen sie kommen

Plötzlich und unerwartet

Da tauchten unverhofft drei Pilger auf. Zu früh zum übernachten, aber perfekt für eine informative Unterhaltung und eine kleine Erfrischung. Jean Pierre war in Belgien gestartet und hatte dort auf einer seiner Etappen Nola aus Australien getroffen. Die Chemie stimmte wohl sofort und sie entschlossen sich, gemeinsam weiter zu pilgern. Eine wunderbare Symbiose, wie sich im Laufe der Tage heraus stellte. Einige Etappen später, bereits auf französischen Boden, stieß die Schweizerin Salome dazu und komplettierte somit das Trio. Salome hatte gerade ihr Studium in Jura und Musik beendet. Sie ist eine begeisterte Sängerin, wenngleich sie nicht Gesang, sondern Klarinette studiert hat. Ständig trillert sie vor sich hin.

Ich bin mit ihr zur kleinen Kirche gegangen, wenige Meter von der Herberge entfernt. Da in der Herberge ein Schlüssel dafür deponiert wurde, bot sich die Möglichkeit geradezu an. In Frankreich sind Kirchen nämlich abgeschlossen. Eine ungünstige Situation, möchte doch so mancher Pilger gern ein paar Minuten in einem Gotteshaus innehalten.

Diesen Wunsch konnten wir erfüllen und es war für mich ein einzigartiges Erlebnis mit Gänsehaut. Die Schweizerin war nämlich auch hier versucht, ihre Stimme erklingen zu lassen. Ein Gesang der absoluten Spitzenklasse, so glockenrein erklang es in dieser alten Kapelle. Immer wieder stimmte sie einen weiteren Coral an.

Schön und stimmungsvoll für uns, doch nervig für die beiden Pilgerbegleiter, wollten sie doch gerne weiter.

 

Reiseblogger Pilgern  Kapelle

Stimmungsvoller Ort für eine Pilger-Gesangsdarbietung

Nachdem die drei wieder auf dem Weg waren, kehrte für uns Ruhe ein, bis um kurz nach 17 Uhr unser Nachbar Gerard die am Vortag angemeldete Pilgerin zum Haus geleitete. Da er direkt an der kleinen           Brücke wohnt, über die der Jakobsweg führt, sieht er stets alle vorüber Gehenden und Fahrenden. Fahrende Pilger? Ja, denn viele Pilger gehen nicht zu Fuß sondern bewältigen die Strecke mit dem Fahrrad. So kommt es oftmals vor, das Herbergsnachbar Gerald aus seinem Garten heraus, vorbeiziehende Personen gerne mal anspricht. Eine von ihm geliebte Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren, geht er doch ansonsten überwiegend in der Pflege für seine Frau auf.

Unser Nächtigungs-Gast

Unser Gast für eine Nacht entpuppte sich als Berlinerin, die den Jakobsweg in jährlichen Etappen erpilgert. Begonnen hatte sie in Görlitz vor drei Jahren.

Nach Übergabe des Pilgerpasses gab es zunächst einmal eine kleine Erfrischung, damit Monika ankommen konnte. Danach war Duschen und Wäschewaschen für sie angesagt. Es gibt ein festes Ritual für alle Pilger.

Pilger Ritual in den Pilger Herbergen

Wer in einer der angebotenen Herbergen übernachten möchte, muss ein so genanntes Credential, also ein Pilgerausweis vorlegen können. Dort hinein wird von den Herbergsbetreuern ein Stempel gesetzt. Mit diesem Ausweis erwirbt der Pilger das Recht auf ein Bett, ein Abendessen und ein Frühstück. Für alles zusammen muss 9 € Unkostenbeitrag geleistet werden. Doch i.d.R. wissen die Pilger den Service zu schätzen, der ihnen in diesen Herbergen in Frankreich geboten wird. Nicht selten wird der Unkostenbeitrag auf 20 € aufgestockt. Nach netten, ausgiebigen Gesprächen mit unserem Pilgergast und einem sich hinziehenden Abendessen, bestehend aus einem Salat mit Schinken, Schweinesteak mit Bratkartoffeln, einer Käseplatte und einem Dessert, konnten wir dann alle gegen 21 Uhr die wärmenden Betten aufsuchen.

Reiseblogger kulinarischer Pilger Genuss

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Da durch den Dauerregen die Temperatur eher in den Spätherbst passen würde, war Wärme unter einer kuscheligen Decke oder im Schlafsack das Richtige. Die Ruhe der Nacht wurde lediglich immer wieder einmal von Hunden gestört, die Haus und Hof ihrer Besitzer durch lautes Gebell verteidigen mussten, wenn irgendeine Bewegung sie aufgeschreckt hatte. Vielleicht wollten sie auch nur den Mond anbellen.

Das Leben als Pilger-Herbergseltern ist also nicht unbedingt ereignisreich. Wichtig zu wissen, für alle, die vorhaben diese Tätigkeit auch einmal zu übernehmen. Es ist absolut ehrenamtlich und man bekommt nichts dafür. Der Erfahrungswert hingegen ist unbezahlbar.

Meine komplette #BloggerPilgern Reise auf dem Via Sacra könnt ihr hier nachlesen:

Hier schreibt Moritz Markulin


Moritz Markulin ist das neuste Mitglied im Team des Wellness-Bummlers. Neben den Bereichen Reisen und Wellness sind der technische Lifestyle, Sport und Beauty für Männer hoch im Kurs bei dem jungen Reiseblogger.

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