Unterwegs im Odenwald: Besonderer Wellness-Bummel durch Bad Wimpfen

Nachtwachter Tour Bad Wimpfen

Der Odenwald ist voll von Burgen, Schlössern und Museen – Kultur erlebt man hier quasi an jeder Ecke. Aus der Fülle an Möglichkeiten fiel die Wahl auf einen Besuch der Stauferstadt Bad Wimpfen.

Wellness-Bummel durch die weihnachtlich-geschmückte Stadt…

Allein die Anfahrt ist ein Erlebnis, wenn das Panorama der Stadt mit seinen Türmen und der Stadtmauer in den Abendhimmel hineinragt – jetzt zur Weihnachtszeit erstrahlt alles im zauberhaften Lichtermeer. Der Weihnachtsmarkt ist nun leider schon vorbei (er geht immer nur die ersten drei Adventswochenenden), aber den sollte man unbedingt einmal gesehen haben. Die vielen kleinen Buden verteilen sich durch die kleinen Gässchen. Handyhüllen, Massenabfertigunssüßkram und olle Bratwürste findet man hier nicht! Vielmehr präsentieren Handwerker und Traditionsbetriebe ihre Kostbarkeiten.

Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen

Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen

Wellness-Bummel mit Nachtwächter…

Nach dem obligatorischen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt – hier natürlich in Bioqualität und vegan – erkunden wir die romantisch beleuchtete Stadt bei einer historischen Nachtwächterführung. Unser Nachtwächter Christoph Weidler ist ausgestattet mit Horn, Laterne und Hellebarde und führt uns durch die kleinen Gassen, die gesäumt sind von zauberhaften Fachwerkhäusern. Der gelernte Instrumentenbauer kennt die Stadt in und auswendig und erzählt uns Wissenswertes über die Stadtgeschichte sowie lustige Anekdoten aus der damaligen Zeit. Mit vollem Körpereinsatz stellt er dramatische Begebenheiten des dreißigjährigen Kriegs 1622 nach und den schwierigen Zeiten der Reformation.

Kleine Gassen und zauberhafte Fachwerkhäuser – Stauferstadt Bad Wimpfen

Kleine Gassen und zauberhafte Fachwerkhäuser – Stauferstadt Bad Wimpfen

Nachtwachter Tour in Bad Wimpfen

Nachtwächter Tour in Bad Wimpfen

53 Meter über den Dingen…

Der besondere Wellness-Bummel führt uns natürlich auch am blauen Turm vorbei – dem Wahrzeichen der Stadt. Dieser ist ganzjährig von einer Türmerin bewohnt. Eine Rarität also und Grund genug, sich die vielen Stufen hinauf zu quälen!

„Soll ich das hier noch mal richtig in Szene setzen, damit es so aussieht, als ob das hier oben eine Mautstation ist“, fragt mich die Türmerin und lehnt sich lässige auf die Fensterbank, während ich verwirrt ein weiteres Foto von der Eingangstür mache.

Während des Aufstiegs der 135 Stufen, habe ich mir überlegt, was mich dort oben erwartet. In meinem Hirn spann sich ein Bild aus vergangenen Kindertagen a la Rapunzel gepaart mit Sheldon Cooper dem Sozial Phobiker zusammen. Was ich nun vorfinde hätte ich mir auch nach weiteren 134 Stufen niemals erträumt. Mit ihrer herzlichen und quirligen Art könnte Blanca Knodel auch gut in einer urigen Kneipe auf der Reeperbahn arbeiten und ihren Gäste mit der rauchigen und lauten Stimme lustige Anekdoten erzählen. Tut sie aber nicht. Sie wohnt 53 Meter über der Stadt und bittet alle Besucher, die sich nicht davor gescheut haben, die vielen Stufen zu erklimmen, zu sich in die gute Stube. Ich fühle mich kurz wie ein Eindringling, denn hinter der Eingangstür mit Fenster beginnt auch schon ihr privates Reich. Eine Zigarettenpackung liegt auf dem Esstisch, über dem Klavier hängen Familienbilder und ein elektrischer Ofen unter dem ausgeschalteten Flatscreen TV unterstreicht die heimelige Atmosphäre ihrer Wohnung.

Herzliche willkommen bei der Türmerin Blanca Knodel

Herzliche willkommen bei der Türmerin Blanca Knodel

Während sie jedem einen Sekt einschenkt – mit eigenem Label der Türmerin versteht sich – erzählt sie, dass sie bereits seit 1996 Wächterin des im Jahre 800 erbauten Blauen Turm von Bad Wimpfen ist. Früher hat sie in diesem einen Turmzimmer zusammen mit ihren drei Kindern gewohnt und auch heute ist von Einsamkeit keine Spur. Jeder Besucher ist ihr herzlich willkommen – manche sogar noch mehr, wenn sie die unten abgestellten Wasser oder Bierkisten mit nach oben nehmen. Oder anderes herum – der letzte Gast des Abends muß die Tür unten wieder zuziehen.

Der Türmerinnen Sekt und Kater TomTom

Der Türmerinnen Sekt und Kater TomTom

Auf die Frage, was der längste Zeitraum war, den sie den Turm nicht verlassen hat, zuckt sie nur die Schultern. Alles was sie braucht, ist hier oben: Gesellschaft, ihr Kater TomTom, einen Whirlpool und eine gigantische Aussicht. Denn nur noch ein paar Stufen weiter nach oben befindet sich die Aussichtsplattform – für genügend Sauerstoff ist also gesorgt. Blanca Knodel möchte unbedingt noch bis sie 85 Jahre alt ist hier oben leben. Aus einem einfachen Grund: „Der bis jetzt älteste Türmer hat es bis 84 Jahre ausgehalten und dann werde ich mit meinen 85 Jahren die Älteste sein.“

 

Vielen lieben Dank an Tourismus Baden-Württemberg, an die Touristikgemeinschaft Odenwald e.V. (TGO) sowie an den Busfahrer Gernot Grimm für die schönen und erlebnisreichen Tage!

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Meine Reise durch den Odenwald geht noch weiter… 🙂

 

Hier schreibt Maike Doege


Genuss und Reisen sind die Leidenschaft von Maike. Eine gute Mischung. Daher gehört Maike seit Sommer 2015 zum Wellness-Bummler-Redaktionsteam. Maike lässt sich gern begeistern von Menschen, die mit viel Herzblut und Leidenschaft bei der Sache sind. Food & Travel heißt ihre Devise, die sie übrigens auch als freie Redakteurin hauptberuflich auslebt.

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