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Israel Rundreise – Jerusalem und seine Gesichter

Auf meiner Rundreise durch Israel war Jerusalem eine Stadt, die ein besonders mulmiges Gefühl in meinem Bauch erzeugte. Mein Aufenthalt fiel auf den 10. Todestag Yasir Arafats und in den vergangenen Tagen war immer wieder von Anschlägen zu lesen. Doch was macht diese Stadt Jerusalem, so besonders?Was finde ich hier und warum?

Israel Rundreise Jerusalem Altstadt
Blick über die Altstadt von Jerusalem

Jerusalem – historische Moderne

Jerusalem, das ist nicht nur eine Stadt, nein, Jerusalem vereint unendlich viele Gesichter und Geschichten auf sich. Altertum und Moderne liegen hier so dicht bei einander, dass ich als Besucher mit einer unendlichen Fülle an Eindrücken überschüttet werde. Bringe ich doch, wie viele andere auch, mein Halbwissen mit zu einem solchen Besuch.

Israel Rundreise Jerusalem Altstadt
Sonnig und ruhig liegt sie da, die Altstadt von Jerusalem

Stöbert man ein bisschen mehr in den Geschichtsbüchern, so kann man erfahren, dass das damalige Königsreich Israel bereits im Jahr 926 das ersten Mal geteilt wurde, nämlich in den Bereich Juda im Süden und den Bereich Israel im Norden. Jerusalem wurde zur Hauptstadt des Staates Juda. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Land immer wieder von anderen Herrschern übernommen. Auch in der jüngeren Geschichte wurde von außen in die Geschicke des damals noch Palästina genannten Landstrichs eingegriffen.

Großbritannien hatte 1918 Palästina (heute Jordanien und Israel) erobert und wollte das Land in einen arabischen und einen jüdischen Staat unterteilen. Israel selbst sollte ebenfalls in arabisch und jüdisch geteilt werden. Verständlich, dass die Palästinenser sich mit dieser Situation nicht abfinden wollten. Doch die Entscheidung wurde in der UN letztendlich durchgesetzt.

Folgen für Jerusalem

Welche Folgen diese Entscheidung bis heute nach sich gezogen hat, kann jeder selbst sehen. Konflikte, Kämpfe, Krieg, Hass, Zerstörung sind die Begleiter aller in diesem Landstrich lebenden Menschen. Engstirnige, verkrustete Ansichten und Einstellungen, Rachegedanken und Unverständnis für den anderen lassen trotz vieler Friedensbemühungen die Menschen nicht zur Ruhe kommen.

Israel Rundreise Jerusalem Altstadt
Jerusalem – ein Gefühl

Das ist auch für Besucher Israels sofort bei der Einreise spürbar. Enormen Sicherheitsvorkehrungen muss jeder Tourist sich stellen, bevor er aus dem Flughafenbereich heraus treten kann. Verständlich das Ganze, ist doch stets die Angst vor Anschlägen und Attentaten präsent. Der Flughafen Ben Gurion ist Ziel vieler Fluggesellschaften und liegt sehr zentral zwischen den Städten Tel Aviv, ca. 20 km entfernt und Jerusalem, ca. 50 km entfernt. Mit Bahn, Bussen und Taxen lassen sich auch andere Städte, wie zum Beispiel Haifa, problemlos erreichen.

Jerusalem – Hauptstadt Israels und/oder Heilige Stadt

Jerusalem, von Israel 1950 zur Hauptstadt erklärt, ist die Heilige Stadt der Juden, Christen und Muslime. Unzählige Tempel, Kirchen und Moscheen liefern ein Zeugnis über den hohen, religiösen Bedeutungswert dieser Stadt.

Weltkulturerbe Jerusalem

Die Altstadt wurde 1981 zum Weltkulturerbe erklärt und bietet dem Besucher so unendlich viele Anlaufpunkte, dass man stets das Empfinden hat, niemals alles zu sehen und die Eindrücke in sich aufnehmen zu können. Alle Sehenswürdigkeiten Jerusalems lassen sich bei meinem zweitägigen Besuch garnicht anschauen. Was nicht nur an der Zeit liegt, sondern beispielsweise Tempelberg und Ölberg sind gerade für Besucher gesperrt. Zu groß ist hier die Angst vor Anschlägen.

Die Altstadt Jerusalems ist ein Touristenmagnet

Sie ist mit einer gewaltigen Mauer umgeben, welche den Altstadtkern wie eine Festung umschließt. Steht man vor dieser riesigen Wand, wird einem bewusst, dass dieses Bauwerk bereits mehrere Jahrhunderte alt ist, kann man nur staunen, welche Leistungen Menschen zur damaligen Zeit ohne bei uns heute üblichen Hilfsmitteln, vollbracht haben.

Israel Rundreise Jerusalem Stadtmauer
Stadtmauer von Jerusalem

Mit ihrer Länge von gut 4000 Meter und ihrer Höhe, im Schnitt 12 Meter, umschließt sie den ca. 1 qkm großen Altstadtkern mit seinen unzähligen schmalen, kleinen und quirligen Gassen. Durch 4 Stadttore kann man die Altstadt betreten.

In Jerusalems Altstadt

Ein bedeutendes Heiligtum für die Juden ist die Klagemauer.

Israel Rundreise Jerusalem Klagemauer
Klagemauer von Jerusalem

 

Sie ist ein Reststück des zerstörten zweiten Tempels und Teilstück der 400 Meter langen Stützmauer des Tempelbergs. Täglich wird die Klagemauer von vielen Menschen zum Beten aufgesucht. Gebete, Fürbitten, Wünsche oder auch Danksagungen werden häufig in schriftlicher Form in die Mauerritzen gesteckt. Wind und Wetter, aber oft auch die Überfüllung der kleinen Lücken sorgen dafür, dass die hinterlassenen Zettel heraus fallen. Da man diese Schriftstücke aber sehr ernst nimmt, werden sie einmal im Monat eingesammelt und auf dem Ölberg in die Erde gelegt. Da die Klagemauer zum Heiligsten des Judentums zählt, wird sie außerordentlich gut geschützt.Ohne Sicherheitskontrollen, wie sie jeder von Flughäfen kennt, erhalten wir keinen Zutritt zur Klagemauer.

Übrigens, an der Klagemauer wird strikt nach Geschlecht getrennt.

Israel Rundreise Jerusalem Klagemauer
Bild der Betenden an der Klagemauer

Für Besucher verschlossen – der Tempelberg

Auf dem Plateau des Tempelbergs findet man den Felsendom, der mit seiner goldenen Kuppel weithin sichtbar ist. Der Felsendom ist das bekannteste Wahrzeichen Jerusalem. Der achteckige Sakralbau ist für Muslime das wichtigste und heiligste Gebäude und wird als Schrein angesehen.

Herrlich anzusehen sind die wunderbaren Fayencen, die mit ihrem Blau-,Grün-, Weiß- Goldenem Farbenspiel jeden Betrachter begeistern. Zwei Tage in der Woche, und dann auch nur für wenige Stunden, ist der Besuch des Tempelberges, auf dem sich auch die Al Aqsa Moschee, die drittgrößte Moschee der Muslime, und der kleine Kettendom befinden, für nicht muslimische Besucher freigegeben.

 

Der Besuch des Tempelberges ist kostenlos, jedoch wird von den Besuchern erwartet, dass sie sich an vorgegebene Kleidervorschriften halten. Das heißt in der Regel, lange Hosen und bedeckte Schultern. Wer den Tempelberg besuchen möchte, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen und gründliche Kontrollen über sich ergehen lassen. Die Angst vor Attentaten ist überall präsent.

Was an jeder Kreuzung deutlich wird, da Militär und Polizei mit Maschinengewehren bewaffnet patrouillieren. Für uns bleibt allerdings der Weg, aufgrund der aktuellen, politischen Lage, komplett versperrt.

Israel Rundreise Jerusalem Ölberg
Blick über den Ölberg

Doch Felsendom, Al Aqsa Moschee und kleiner Kettendom sind ausschließlich von außen zu betrachten, wenn man nicht dem muslimischen Glauben angehört.

Schmerzvoller Weg – Via Dolorosa

Für Christen zählt ein Gang durch Via Dolorosa hin zur Grabeskirche zu einem der wichtigsten Begebenheiten. Die Via Dolorosa, also der Weg der Schmerzen, ist die Strecke, die Jesus vom Ort seiner Verurteilung zum Ort seiner Hinrichtung ging. Es mutet schon eigenartig an, wenn man diese Straße entlang geht. Zum einen fühle ich, was sie symbolisiert, spüre aber gleichzeitig lebhaften Trubel um mich herum, da ein Großteil der Strecke durch das muslemische Viertel führt.

Israel Rundreise Jerusalem Altstadt Via Dolorosa
Via Dolorosa

Straßenhändler bieten wie auf einem Basar ihre Waren feil und zu all dieser umspülenden Hektik kommt in mir ein Gefühl der Trauer auf. Ich werde plötzlich ob der Größe all dieser Eindrücke auf ein innerliches Minimum reduziert. Ob ich will oder nicht, der Ausstrahlung dieses Gebietes kann ich mich nicht entziehen.

Der Weg der Schmerzen führt weiter zur Grabeskirche. Diese ist das wichtigste Heiligtum der Christen, wurde sie doch an der Stelle gebaut, die als Grabstätte Jesu bezeichnet wird, in unmittelbarer Nähe zu den Golgatha-Felsen. Auf diesem Felsen stand das Hinrichtungskreuz. Hier wurde die Golgathakapelle errichtet und in den 1980iger Jahren mit einer dicken Panzerglasumhüllung versehen.

Israel Rundreise Jerusalem Grabeskirche
Israel Rundreise Jerusalem Grabeskirche

Für Christen ein weiterer Anziehungspunkt ist der Ölberg. Tritt man durch das Löwentor aus der Altstadt heraus, steht man direkt an seinem Fuße. Im Ölberg, der im Grunde ein Olivenhain ist und seinen Namen von eben diesem Olivenöl erhalten hat, befindet sich der Garten Gethsemane, in dem Jesus sich vor seiner Verhaftung, die durch dem Verrat durch Judas erfolgte, aufhielt.

Gethsemane am Ölberg

Gethsemane heißt übersetzt Ölpresse, was wiederum zum Ölberg mit seinen über 2000 Jahre alten Olivenbäumen passt. Der Ölberg mit seinen vielen, enorm geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten wie Gräbern, Kapellen, Gedenkstätten, vermittelt dem Besucher schon ein mystisches Gefühl. Bezaubernd ist auch die kleine barocke, russische Kirche mit ihren goldenen Zwiebeltürmen. Ganz den Vorbildern in Russland nachgeahmt, wurde sie von Zar Alexander III zum Gedenken an seine Mutter in Auftrag gegeben.

Solche Tatsachen lassen erahnen, dass die Religionen nebeneinander und miteinander leben könnten. Wenn nur die Menschen in ihrer Einsicht etwas toleranter mit einander umgehen würden, ihre Vorurteile abbauen könnten und Terror als das sehen würden, was er wirklich ist, nämlich Unfrieden zu stiften, Hass auszubreiten, Kriege auszulösen.

Modernes Jerusalem

Doch nach so viel Geschichtlichem sollte auch die Neustadt von Jerusalem noch Erwähnung finden. Wer diesen Teil der Stadt besucht erkennt, er könnte gerade in einer westlichen Großstadt angekommen sein.

Eine moderne Metropole empfängt ihre Gäste. Quirliges Leben, wie es in Paris oder Rom nicht anders sein könnte. Wer durch das Jaffa-Tor die Altstadt verlässt, betritt nach ca. 100 Metern eine völlig andere Welt, Jerusalem-Neustadt. Diese breitet sich südlich, westlich und nördlich der Altstadt bis ins hügelige Hinterland, ja, sogar bis in das wüstenähnliche Gebiet aus.

Israel Rundreise Jerusalem Stadtmusikant
Dieser Musikant prägte das „zwischen“ aus Altstadt und Neustadt

Im neuen Teil Jerusalems findet sich westliches Flair, Hotels, Restaurants, Cafe´s, Kneipen, aber auch Museen, Geschäfte, Einkaufszentren und Passagen.

Von der Enge der Altstadt ist nichts mehr spürbar, eine völlig andere Aura hat sich hier breit gemacht. Seit fünf Jahren findet hier der Jerusalem-Marathon statt, der mit seiner Streckenführung wunderschöne Ausblicke auf historische und kulturelle Attraktivitäten bietet.

Sicher wird mancher Tourist Jerusalem in erster Linie wegen seiner geschichtträchtigen Seite besuchen, doch sicher ist, dass beide Teile zusammen gehören. Jerusalem, Alt und Neu, eingebettet in eine hügelige Landschaft, bietet alles, was seine Bewohner zum Leben brauchen.

Es fehlt nur der Frieden in der Region.

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Erschienen in: Asien, Israel

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Katja Wegener

Hier schreibt Katja Wegener

Katja Wegener ist nicht nur eine der beiden (Haupt)Reiseblogger beim Wellness-Bummler. Sie schreibt darüber hinaus auch für viele andere Blogs, Webseiten, Reise- und Fachmagazine und ist das Herz der Online-Redaktion des Wellness- und Beauty-Magazins WellSpa-Portal. Ihre Fachbereiche sind: Wellnesstreatments, Beauty, Genuss und Reise.

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Kommentare

Rundreise durch Israel als Reiseblogger am 16. Januar 2015 um 12:59 Uhr

[…] habe ich die Israel Rundreise in Jerusalem […]

Sichere Israel Reisetipps für eine genussvolle Rundreise WellSpa-Portal am 20. Januar 2015 um 10:38 Uhr

[…] Der Wellness-Bummler war auf Rundreise durch Israel und anschließend spezifisch in Jerusalem […]

Israel Spa im Toten Meer WellSpa-Portal am 16. Februar 2016 um 14:45 Uhr

[…] Israel Rundreise – Jerusalem und seine Gesichter […]