Wellness Bummler

Der Reiseblog mit individuellen Reiseberichten und Erlebnisse - mit Wellnessfaktor - rund um die Welt

Zwischen Sand und Feld: Unterwegs an der Cote d‘Azur

Wenn ich bisher an die französische Cote d’Azur gedacht habe, dann standen mir in erster Linie schroffe Felsen, ein tiefblaues Meer, feinsandige Strände und – ich gebe es ja zu – auch die Reichen und Schönen von St. Tropez vor Augen.

Willkommen in Frankreich!

Willkommen in Frankreich!

Nicht einen Gedanken habe ich an die Landschaft abseits der Küste verschwendet (wenn die Küste schon im Namen vorkommt, dann muss sie schließlich auch das Wichtigste der Region sein, oder?), nie dachte ich als früher leidenschaftliche Reiterin an die Camargue-Pferde, und auch die französischen Weine und die Lavendelfelder der Provence waren nicht besonders präsent in meiner Vorstellung. Doch nachdem ich das erste regionale Gläschen Roséwein gekostet, das erste französische Schloss besichtigt und den ersten Flamingo gesehen habe, wurde mir bewusst, dass ich mein Bild von der Cote d’Azur wohl noch mal gründlich überdenken oder sogar ganz neu malen sollte.
In den vergangenen vier Tagen bin ich von Marseille aus durch Küstenstädtchen mit klingenden Namen wie Les-Saintes-Maries-de-la-Mer, Salon-de-Provence, Sanary-sur-Mer bis nach St. Tropez und Nizza gereist.
Ich habe die Besonderheiten der Camargue kennengelernt, bin an Hafenpromenaden entlangspaziert, habe Burgen besichtigt und provenzalische Spezialitäten gekostet. Ich habe „Glamping“ (Glamour-Camping) ausprobiert und war schwer begeistert von den komfortablen Mobile Homes, in denen ich übernachtet habe. Und ich muss sagen: Auch wenn ich mich mit bestimmten Eigenheiten der Franzosen (wie ihrer absoluten Weigerung, Englisch zu sprechen und ihre wenig vegetarierfreundlichen Küche) immer noch nicht so ganz anfreunden kann, bin ich von der Cote d’Azur ziemlich beeindruckt – ich komme bestimmt wieder!

Essen wie Gott in Frankreich – jetzt versteh ich das!

Essen wie Gott in Frankreich – jetzt versteh ich das!

Frankreich – ich komme!

Los ging meine Reise unverschämt früh an einem Dienstagmorgen. Um halb vier Uhr kämpfte sich mein Freund netterweise aus dem Bett, um mich zum Flughafen zu kutschieren – dafür kam ich dann aber auch schon um kurz nach zehn am Vormittag in Marseille an. Nachdem unsere Reisegruppe komplett war, ging es zum Mittagessen nach Salon de Provence, wo mir klar wurde, wie es zu der Redensart „Leben wie Gott in Frankreich“ gekommen ist – auch wenn es meiner Meinung nach eher „Essen wie Gott in Frankreich“ heißen müsste. Gemüsepastetchen, unglaublich knusprige Brötchen, eingelegtes Gemüse, Tartes, Obstsalat, Waffeln, Meringues und dazu jede Menge Wein schmeckten wunderbar im Burghof des Chateau d’Emperi – allerdings wäre dieses Mittagessen vermutlich überall sehr schmackhaft gewesen. Übrigens: Salon de Provence hat nicht nur eine hinreißend schöne Altstadt, dort hat auch der Prophet Nostradamus gelebt und im 16. Jahrhundert seine Zenturien niedergeschrieben!

Mein braver camarguesischer Wallach Gelbi

Mein braver camarguesischer Wallach Gelbi

Hoch zu Ross durch die Camargue

Zum Nostradamus-Musem schafften wir es leider nicht, dafür war unser nächster Programmpunkt aber der, auf den ich mich am meisten gefreut habe, seit ich ihn im Programm gesehen habe: Ein Ausritt auf einem Camargue-Pferd. Als Kind hatte ich jahrelang Reitstunden genommen, aber mittlerweile bin ich seit Jahren nicht mehr auf einem Pferd gesessen. Vorsichtshalber hielt ich meine Erwartungen für den Camargue-Ausritt recht niedrig; halb erwartete ich einen gelangweilten Franzosen, der mein noch gelangweilteres Pferd zehn Minuten lang am Zügel hinter sich herziehen würde, bevor es einen Reiterwechsel und die Wiederholung des Szenarios geben würde. Doch ich wurde mehr als positiv überrascht: Erstens war auf dem Reiterhof „Cabanes de Cacharel“ in Les Saintes Maries de la Mer weit und breit kein Pferdeführer zu sehen und wir waren selbst für die „Lenkung“ unserer PS verantwortlich – auch wenn die Pferde den Weg eigentlich ganz genau kannten und auf vorsichtiges Zügelzupfen meinerseits nur mit einem genervten Kopfschütteln reagierten. Und zweitens dauerte der Ausritt nicht zehn Minuten, sondern zwei Stunden – zwei Stunden, in denen es am Strand entlang, durch eine Campinganlage und über weite Ebenen ging und mein braver Wallach „Gelbi“ sogar durch zwei knietiefe Gewässer und jede Menge Schlamm waten musste. Dass wir dabei mindestens drei Flamingoschwärme entdeckten, war dann nur noch ein weiterer Höhepunkt einer schon ausgesprochen tollen Zeit – wir hatten aber auch wirklich Glück mit dem Wetter, das gar nicht besser hätte sein können: strahlend blauer Himmel, Sonne und gerade so viel Wind, dass uns nicht zu heiß wurde. Und auch, wenn ich nach dem Ausritt noch für eine ganze Weile das Gefühl hatte, dass ich mich ausgesprochen O-beinig bewege, und mich mein Allerwertester am nächsten Tag sehr schmerzhaft an Gelbis Sattel erinnert, kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, warum ich das Reiten damals aufgegeben habe.

Salon de Provence – ein Blick, ein Wellness-Moment

Salon de Provence – ein Blick, ein Wellness-Moment

Real Life Cowboys

Weiter ging es zur nächsten Station, und auch die hatte mit Pferden zu tun – und mit Stieren. Denn in der Camargue gibt es tatsächlich immer noch Cowboys , die auf ihren weißen Camargue-Pferden sitzend ganze Stierherden vor sich hertreiben oder einzelne Stiere im „Course Camarguaise“ – dem camargesischen Stierkampf – zu besiegen versuchen. Die Stiere oder „Toros“ werden aber nicht getötet, sondern ihnen werden von den „Rassateuren“ (Stierkämpfern) nur bunte Tücher von den Hörnern stibitzt. Da können die spanischen Toreros noch was lernen!

Wunderbare Landschaft, hoch zu Ross erlebt

Wunderbare Landschaft, hoch zu Ross erlebtWunderbare Landschaft, hoch zu Ross erlebt

Kräfte tanken

Zu Abend aßen wir dann im Restaurant „Les Baumelles“ – serviert wurde, was der Toro so hergibt: von Steak über Rinderwürstchen und Innereien bis zum Knochenmark, das im halbierten Rinderknochen serviert wird. Darauf verzichtete ich als Vegetarierin zwar lieber, aber meine Variation mit Pilzpastete und provencialischem Gemüse war ausgezeichnet – und wurde von so manchem Fleischesser ausgesprochen neidisch beäugt, möchte ich hinzufügen.

Meine wunderbare Genussreise durch Frankreich, entlang der Cote d’Azur geht weiter.

Dann lest ihr:

Und weiter geht die Reise entlang der Cote d‘Azur

Der letzte Tag an der Cote d‘Azur

Erschienen in: Allgemein, Europa, Frankreich

Schlagwörter: , , ,
Rafaela Khodai

Hier schreibt Rafaela Khodai

Rafaela Khodai ist leidenschaftliche Welten- und Wellness-Bummlerin, hat bis auf Australien schon alle Kontinente bereist und fährt ungerne zweimal ins gleiche Hotel. Sie studiert Journalismus und arbeitet als Texterin, Lektorin, Journalistin und Bloggerin. Ihre Spezialgebiete: Selbst organisierte abenteuerliche Individualreisen, gesunde vegetarische Ernährung und Gewichtsmanagement.

Kommentar schreiben

Wir freuen uns über rege Beteiligung unserer Leser

Datenschutzhinweise: Die Kommentarangaben werden an Auttomatic, USA (die WordPress Entwickler) zur Spamüberprüfung übermittelt und die E-Mail Adresse an den Dienst Gravatar (ebenfalls Auttomatic), um zu prüfen, ob die Kommentatoren dort ein Profilbild hinterlegt haben. Zu Details hierzu , sowie generell zur Verarbeitung Ihrer Daten und Widerrufsmöglichkeiten, verweisen wir auf unsere Datenschutzerklärung. Sie können gern Pseudonyme und anonyme Angaben hinterlassen.