Wellness Bummler

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Blumige Vorfreude auf Madeira

Ich gerate immer ins Träumen, wenn ich den Namen Madeira höre. Wenn man von Madeira spricht, dann verbindet man diesen Namen stets mit dem Begriff „Blumeninsel“.

Faszination Madeira
Faszination Madeira

 

Ja, dieses Kleinod im atlantischen Ozean besticht mit seiner Blumenpracht jeden Besucher. Madeira heißt übersetzt Holz und machte lange Jahre diesem Namen alle Ehre. Über viele Jahrhunderte war die Insel reich an Lorbeerbäumen. Portugal übernahm die Herrschaft im 15. Jahrhundert, besiedelte die Insel und holte sich für die oftmals schweren Arbeiten unzählige Sklaven. Die Lorbeerwälder wurden gerodet, um das wertvolle Holz für den Schiffsbau zu verwenden und Platz für den Anbau von Getreide, Zuckerrohr und die Viehzucht zu gewinnen.

Grundstein für tolle Levada-Touren

Levada Madeira
Levada Madeira

 

Durch Brandrodung wurde 1420 unvorstellbares Feuer gelegt, dass nach alten Aufzeichnungen 7 Jahre gewütet haben soll. Wasser war auf der Südseite der Insel Mangelware. Die Nordseite dagegen hatte mehr als genug von dem kostbaren Nass, da die Wolken durch die Bergkette der Insel gebremst wurden und ihren Regen dort abladen mussten, um über die Berge abziehen zu können. Um hier eine bessere Umverteilung zu erzielen, mussten sich findige Köpfe eine Möglichkeit einfallen lassen, um eine sinnvolle und effektive Bewässerung der Südseite zu ermöglichen.

Die Levadas waren geboren. Die Mauren, ein Teil der Bevölkerung, brachten Wissen, Geschick und Erfahrung mit der Bewässerungstechnik ein. Diese künstlichen Wasserläufe transportieren Wasser aus den wasserreichen Gebieten der Insel in die trockenen Bereiche. Mit ganz wenig Gefälle schlängeln sich diese schmalen Wasserkanäle serpentinenartig die Hänge hinab, nutzen dabei vorhandene, natürliche Wasserläufe und verlaufen sogar über Brücken. Die Landbesitzer pflegen sorgsam ihren Erhalt, ist doch das von ihnen transportierte Nass ein kostbares Gut. Doch auch wenn man für die Bewässerung gesorgt hatte, die Monokultur mit Zuckerrohr laugte auf Dauer den Boden so stark aus, dass die Ernten immer geringer wurden und von den Erträgen ein Export nicht mehr lohnenswert war. An Stelle des Zuckerrohrs stellte man um auf Weinbau und wurde zum Weinexporteur.

Strandurlaub Fehlanzeige

Inzwischen ist der Tourismus ein starkes Standbein. Strandurlaub findet auf Madeira nicht statt. Aktivität und Genuss, das sind die Bereiche für die Madeira steht. Wer heute Madeira besucht, für den ist es ein Muss, die geniale Erfindung der Levadas zu besuchen.

Madeira
Grandioser Ausblick

Daher ist die Insel ein Traum für Wanderer. Fragt man die Einheimischen, wie viele Kilometer dieser Wasserkanäle über die Insel ziehen, dann erhält man Angaben von 2000 bis zu 5000 Kilometer. Das klingt viel, aber durch viele Abzweigungen, Nebenkanäle und kleine Rinnsale kommt man schon auf diese gigantisch anmutende Summe.

Ein Teil der Levadas ist gesäumt von kleinen Wegen, auf denen man wunderbare Wanderungen genießen kann. Für jeden Besucher finden sich die passenden Schwierigkeitsgrade. Sanft ansteigende Wanderwege wechseln sich ab mit steileren Stücken, münden teilweise auf wunderschönen Aussichtsplattformen, die fantastische Ausblicke auf die Insel und das Meer ermöglichen.

Meine persönlichen #BloggerWandern-Lieblingstouren habe ich beim Reiseanbieter Neckermann beschrieben.

Von der Höhe herab wirken selbst die großen Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Funchal wie Nussschalen, allerdings große Nussschalen. Vorbei führen die Levada-Wanderwege an bezaubernden Wasserfällen, deren köstliches Wasser zu einer kurzen Erfrischungspause einlädt. Schattige Wälder wechseln sich ab mit sonnendurchfluteten Flächen.

Die sich ständig, besonders auch durch Lichtspiele veränderte Umgebung verlangt bei aller Schönheit immer auch erhöhte Achtsamkeit, damit man auf dem oftmals rutschigen Untergrund nicht den Halt verliert. Festes Schuhwerk ist bei diesen Wanderungen ein Muss. Auch die schnellen Wetterwechsel sonnte man nicht unterschätzen.

Madeira
Blütenpracht soweit das Auge reicht auf Madeira

Wetterwechsel inklusive

Es kann passieren, dass in Funchal, der Hauptstadt Madeiras, strahlender Sonnenschein alles in Licht und Strahlen hüllt, während sich an den Hängen plötzlich leichter Nebel, ja teilweise sogar Sprühregen ausbreiten kann. Doch ein richtiger Wanderer wie ich lässt sich von unwirtlichem Wetter seinen Wandergenuss nicht verwässern.

Botanische Gärten und Blüten im Überfluss

Levadas sind mein persönlicher Anziehungspunkt auf der Insel. Ein weiterer sind die wunderbaren botanischen Gärten und die allgemeine Blumen- und Blütenpracht Madeiras. Ich konnte mich nicht satt sehen an den traumhaft schönen, in vielen verschiedenen Farben strahlenden Bougainvilleen, die wie Hecken an den Straßen stehen.

Hier blühen diese stacheligen Büsche mit ihren Scheinblüten im Überfluss. Man könnte schon neidisch werden, denn schließlich hatte ich bisher kein Glück auf meiner Terrasse, eine dieser Pflanzen über den Winter zu bringen. Auch Strelizien mit ihren stolzen, an einen Pfaue erinnernden Köpfen, scheinen mich an jeder Ecke anzulachen. Man badet geradezu in einem Meer von Blumen.

Blaue und weiße, stolz auf langen Stielen in den Himmel gereckte, aus vielen einzelnen, zarten Kelchen zu einem Ball geformte Blüten der Agapanthus Pflanzen, die hier überall wie ausgesät am Wegesrand stehen und mich richtig neidisch werden lassen, weil mir meine gärtnerische Unzulänglichkeit in der wechselhaften Klimazone unserer deutschen Region so deutlich vor Augen geführt wird.

WellSpaPortal Madeira Figur
Interessante Besucher, die man trifft

Ich kann sie gar nicht alle aufzählen, die vielen verschiedenen Sorten, die die Insel Madeira zu dem machen, was sie ist, ein Blumenparadies.

Und dann die großen, geheimnisvollen, blauen Riesenbonbons, die schon von Weitem sichtbar sind. Nein, ein Geheimnis gibt es da nicht. Es sind Bananenstauden. Nun fragt sich sicher mancher, spinnt der Wellness-Bummler? Bananen sind doch gelb, höchstens grün wenn sie noch unreif sind. Stimmt, doch diese Bananen sind in blaue Folien gehüllt, weil man so das Ungeziefer abwehren will. Blau mögen die Bananenschädlinge nämlich nicht. Würde man das Ganze in Gelb hüllen, wäre dies der perfekte Wegweiser zum leckeren Schädlingsrestaurant.

Leuchtend bunte Insel-Hauptstadt Funchal

Der Markt in Funchal empfängt seine Besucher leuchtend bunt, denn neben den wie Bilder dekorierten Sträußen begrüßen uns auch die Marktfrauen in ihren landestypischen Trachten. Freundlichkeit und Herzlichkeit sind hier ganz groß geschrieben.

 

Kulinarische Köstlichkeiten soweit das Auge reicht

An den sich an den Eingangsbereich anschließenden Obst- und Gemüsemarkt erinnere ich mich ganz besonders gerne. Überall wurden mir kleine, köstliche Stückchen zum Probieren angeboten.

Wie Bananen, Mandarinen oder Papaya, alles schmeckt nach reifer Frucht. Auch die 1. Etage, mit ihren vielen Käse und Fleischtheken ist sehr erlebenswert.

Doch das i-Tüpfelchen findet sich im Tiefparterre. Hektisches Geschrei zu mich an und neugierig wollte ich wissen, was da los ist. Für mich etwas zum Staunen, für die Einheimischen eine alltägliche Show, der Fischmarkt. Hier wird die Qualität des Thunfischs geprüft, der mich mit seinen großen Augen anstarrt, dort entdecke ich sogar einen Hammerhai. Wie ein Haifischsteak wohl schmeckt? Und überall wird teilweise so lautstark gefeilscht, dass ein Unbeteiligter unwillkürlich an Streit denken muss. Dabei ist es doch nur das Temperament der Südländer, welches hier mit großer Begeisterung hörbar gemacht wird. Es ist schon beeindruckend, was da alles so aus dem Meer geholt worden ist und wie man hier in der Markthalle damit handelt.

Ausblick über Madeira
Ausblick über Madeira

Ein bisschen müde von all dem Erlebten lasse ich mich vor der Markthalle unter einem großen Sonnenschirm in einen gemütlichen Korbstuhl fallen. Jetzt gelten meine Gedanken nur noch einer kühlen Limonade und einem großen Eisbecher.

Beides wird hier wunderbar dekoriert serviert und schmeckt köstlich. So im Schatten platziert lässt es sich schon ein Weilchen aushalten.

Zum Schluss möchte ich aber mein „gefährlichstes“ Abenteuer nicht unerwähnt lassen. Oberhalb von Funchal liegt der Ort Monte. Bereits der Name Monte zeigt, dass wir uns hier auf einem Berg befinden. Was in früheren Jahren eine notwendige Maßnahme der Bewohner zum Transport war, ist heute eine der beliebtesten Touristenattraktionen, die Korbschlittenfahrt.

Vom Platz an der Kirche Nossa Senhora do Monte, in der Kaiser Karl I begraben liegt, aus starten die Korbschlitten auf ihren Holzkufen, gesteuert von jeweils zwei starken Madeirern, in rasanter Fahrt durch die schmalen, engen, kurvigen Gassen. Mit teilweise über 40 kmh rutschen sie die rund 2000 Meter bis Funchal hinunter. Ein Nervenkitzel für die Gäste und eine gute Einnahmequelle für die Betreiber. Ungefähr 30 € kostet die ca. 10 Minuten dauernde Fahrt.

Wer gleich wieder auf den Berg möchte, kann sich bequem für 10 € mit der Seilbahn wieder nach oben bringen lassen. Die Seilbahn fährt das ganze Jahr täglich von 9:00 Uhr bis 17:45 Uhr.

Es ist sehenswert, wie man dicht über die Häuser und Köpfe der Bewohner hinweg in die Höhe gleitet, stets einen offenen Blick in die Tiefe über den Hafen, und etwas später ist es wie ein sanftes Fliegen über die wunderschönen Anlagen des   botanischen Gartens. Ich kann nur sagen, Madeira ist eine Reise wert. Mit dem Flugzeug ist die Insel inzwischen relativ ungefährlich zu erreichen, nachdem die früher sehr, sehr kurze Landebahn ins Meer hinaus verlängert wurde.

Mein Bummler-Resümee: Kleine Insel ganz groß. Und meine Vorfreude auf Madeira ist wieder geweckt, geht es doch schon im Oktober endlich wieder zurück auf  die sonnige Blumeninsel mit den erwanderbaren Levadas.

Auch hier durfte der Wellness-Bummler Inselluft schnuppern…

 

Erschienen in: Europa, Portugal, Wellness-Bummler Erlebnisse

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Katja Wegener

Hier schreibt Katja Wegener

Katja Wegener ist nicht nur eine der beiden (Haupt)Reiseblogger beim Wellness-Bummler. Sie schreibt darüber hinaus auch für viele andere Blogs, Webseiten, Reise- und Fachmagazine und ist das Herz der Online-Redaktion des Wellness- und Beauty-Magazins WellSpa-Portal. Ihre Fachbereiche sind: Wellnesstreatments, Beauty, Genuss und Reise.

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Madeira – meine Trauminsel am 22. Oktober 2015 um 08:46 Uhr

[…] Blumige Vorfreude auf Madeira […]