Wellness Bummler

Der Reiseblog mit individuellen Reiseberichten und Erlebnisse - mit Wellnessfaktor - rund um die Welt

Australien: Letzter Stop Paradies?

Fünf Tage ohne Internet, ohne Supermarkt und vor allem ohne Stress: Auf Great Keppel Island ist Urlaub wirklich noch gleichbedeutend mit Erholung.

Australien: Totale Entspannung – schaffe ich das?

Auf der Suche nach Australiens versteckten Wellness-Juwelen habe ich mir drei Wochen Zeit genommen, um die Ostküste Australiens von Cairns bis Brisbane zu bereisen – und ein Abstecher nach Sydney durfte natürlich auch nicht fehlen. Bisher habe ich ganz persönliche Wohlfühl-Hochs beim Relaxen am legendären Bondi Beach in Sydney, beim Tauchen am Great Barrier Reef bei Cairns und auf der Pirsch nach Schnabeltieren im Regenwald gehabt. Ich habe mich von Kängurus beschnuppern lassen und Koalas kennengelernt und mich als dabei im tierisch wohlgefühlt. Und ich habe einen der weißesten Strände der Welt besucht – den Whitehaven Beach bei Airlie Beach. Dass auch dieser Ausflug in die Kategorie „Wellness-Hoch“ fiel, das muss wohl nicht extra erwähnt werden. Nun bin ich bei meinem letzten geheimen Wellness-Juwel angelangt: „Great Keppel Island“ heißt er und liegt wenige Kilometer vor der Küste von Rockhampton, dem „Beef Capital“ Australiens.

Australien
Eingang zum GKI Holiday Village

Wirklich geheimer Geheimtipp?!

Übernachten will ich auf Great Keppel Island im „Great Keppel Island Holiday Village“. Meinen Aufenthalt habe ich aufgrund der eher spärlichen, aber sehr guten Bewertungen schon Anfang Jänner von zu Hause aus gebucht. Aber als ich dann im Laufe meiner Reise von Cairns nach Süden anderen Reisenden und Einheimischen von meinem geplanten Abstecher zu Great Keppel Island erzählte, erntete ich vor allem verwirrte Blicke, die Frage: „Which Island?“, und ahnungsloses Schulterzucken. Niemand schien von der Insel gehört zu haben oder gar dort gewesen zu sein, was bei mir leichte Nervosität auslöste. Habe ich etwa vier von meinen kostbaren 23 Nächten in Australien auf einer nichtexistenten Insel gebucht? Oder gab es dort vielleicht einmal eine Umweltkatastrophe, die jeglichen Tourismus vertrieb? (Keine große natürlich, daran würde sich schließlich auch jemand erinnern müssen) Welchen Grund könnte es sonst haben, dass Great Keppel Island wie von der Tourismuslandkarte ausradiert scheint?
Mein Aufatmen, als ich eine recht solide aussehende und auch nicht ganz leere Fähre von Keppel Connections Richtung Great Keppel Island besteige (die Insel existiert offenbar wirklich!) ist deshalb auf jeden Fall spürbar. Mein Erstaunen, als sich die Gangway zwanzig Fahrminuten später auf einen blitzsauberen, menschenleeren Sandstrand senkt, ist größer. Und meine Erleichterung, als Harry vom (zu Fuß) 5 Minuten entfernten Great Keppel Island Holiday Village mit einem Jeep direkt zur Fähre gefahren kommt, um mich und meinen Rucksack abzuholen, ist mir wohl sehr deutlich anzusehen. Aber all das ist nichts gegen meine Begeisterung, als ich erstens mein entzückendes Zelt im Holiday Village in Augenschein nehme, zweitens die gemütliche Hängematte direkt davor bewundere und mich dann drittens eine Stunde später mit Handtuch, Bikini und sehr viel Sonnencreme bewaffnet auf dem immer noch menschenleeren, zehn Gehminuten von meinem Zelt entfernten, perfekten Sandstrand ausstreckte und meine Zehen in das glasklare Meerwasser tauchte.

Australien Hibiskus
Hibiskusblüte am Kissen: Wellness pur

Entspannung, Ruhe, und ganz viel Sonne und Meer

Mein erster Tag auf Great Keppel Island vergeht in einer Art seligem Rausch; ich kann gar nicht glauben, wie perfekt und einsam sich „mein“ Strand präsentiert, wie warm das Wasser ist (das übrigens ganzjährig als quallenfrei gilt, was bei der gefährlichen Würfelqualle und dem nicht minder gefährlichen Irukandji schon allein für einen riesigen Wellness-Moment reicht), und wie nett die wenigen anderen Gäste aus aller Welt sind, die zur gleichen Zeit im Holiday Village urlauben. Geschlafen wird in sogenannten „Decked Tents“, also dauerhaft aufgebauten Zelten, in Schlafsälen oder in mit eigener Küche und Bad ausgestatteten kleinen Häusern im Village. Beim abendlichen Kochen in der Gemeinschaftsküche – es gibt zwar ein Restaurant, aber keinen Supermarkt auf der Insel, weshalb ich mich mit reichlich Lebensmitteln eingedeckt habe und ganz froh bin, dass ich mir das teure Essen gehen für ein paar Tage sparen kann – lerne ich dann ein paar Studentinnen aus Brisbane kennen, die ebenso begeistert von der Insel sind wie ich. Wir spielen Karten, tauschen Reisegeschichten aus, beobachten kuschelige Possums in den Bäumen und einen Ameisenigel auf seinem nächtlichen Streifzug. Und genießen die Ruhe und die für uns so ungewohnte Abstinenz von Fernsehen und Internet – denn im Holiday Village gibt es weder Fernsehempfang noch Wlan. Und das ist Wellness der ganz besonderen Art für mich.

Great Kepple Island
Jedes Paradies braucht einen Traumstrand

Insel im Dornröschenschlaf

Am nächsten Tag mache ich mich auf zu Leeke‘s Beach, der etwa zwanzig Gehminuten vom Holiday Village entfernt liegt. Der Weg führt über einen bewaldeten Hügel, an Aussichtspunkten mit einem atemberaubenden Ausblick vorbei und schließlich einen Abhang hinunter zu einem wunderschönen, sichelförmigen, feinsandigen Strand, der rechts und links von Felszungen begrenzt wird. Das Meerwasser hat Badewannentemperatur, der Himmel ist unbeschreiblich blau, und die einzigen Lebewesen, die ich an diesem Tag sehe, sind zwei der zahllosen Ziegen, die die Insel bevölkern. Nicht einmal Boote kreuzen den Horizont. Ich fühle mich wie Tom Hanks in „Cast Away“, mit dem Unterschied, das ich ausgesprochen glücklich mit meiner Situation bin und absolut nicht wieder weg möchte. Denn mehr Wellness, als ich hier erlebe, geht eigentlich gar nicht!

Australien
Der Wellness-Bummler fühlt sich wohl in meinem Zelt!

Abends höre ich dann von Mitarbeiterin Jill die Geschichte hinter dem scheinbaren Dornröschen-Schlaf von Great Keppel Island: Früher war die Insel einmal eine sehr beliebte Partydestination. Ab den 70ern kamen Leute allen Alters aus ganz Australien hierher, um es ordentlich krachen zu lassen und an der Wreck-Bar des Inselressorts zu „stranden“. Der damalige Slogan der Insel lautete sogar „Get wrecked on Great Keppel Island“. Doch 2007 wurde das Ressort von den Behörden geschlossen, denen die von den partywütigen Gästen verursachte Umweltverschmutzung ein Dorn im Auge war. Bald darauf schloss auch die günstigere Jugendherberge neben dem Ressort ihre Pforten, und Great Keppel Island verschwand von der Tourismus-Landkarte Australiens. Heute sind es vereinzelte, erholungssuchende Urlauber aus der ganzen Welt, die irgendwo von der Insel gehört haben und auf gut Glück hierherkommen; meist nur für eine oder zwei Nächte.

Australien Putney Beach
Putney Beach: Blaues Meer und weißer Sand

Mein persönliches Paradies

Aber ich bin mehr als glücklich darüber, dass ich insgesamt vier Nächte und fast fünf Tage auf Great Keppel Island eingeplant habe. Ich genieße die Ruhe, lege mir eine knackige Bräune zu, schwimme im fast 30 Grad warmen Wasser, schmökere mich durch den Bücherschrank des Holiday Village und bewundere nachts vom Strand aus die unglaublich hell leuchtenden Sterne und die deutlich zu erkennende Milchstraße. Kurz gesagt mache ich also einfach genau das, was man unter „Seele baumeln lassen“ versteht – ganz ohne Hektik, Terminkalender und Uhr. Außerdem erforsche ich die Insel anhand der zahlreichen Wanderwege. Teilweise sind diese in einem recht guten Zustand – Wegweiser zum Beispiel gibt es an fast allen Gabelungen –, teilweise sind sie aber auch ziemlich ausgewaschen und mit losem Geröll und Sand bedeckt. Fast alle Wanderwege führen über Berggipfel und zu sogenannten „Lookouts“, von denen man einen wunderbaren Blick über Great Keppel Island, das Meer und die umliegenden Inseln hat.
Am dritten Tag schließlich hole ich mir Schnorchel, Taucherbrille und Flossen – die sind im Zimmerpreis des Holiday Village inkludiert – und mache mich auf zu Shelving Beach. Das Riff dort ist besonders schön; neben verschiedenen knallbunten Fischen kann man Mantas, Leopardenhaie, Schildkröten, Krebse und Delfine sehen. Unterwegs komme ich dann noch am verlassenen ehemaligen Ressort vorbei, das zwar keine zehn Jahre alt ist, mich aber irgendwie trotzdem an eine verzauberte Ruine aus einem Märchen erinnert – vor allem, weil die Speisekarte der Wreck Bar in all den Jahren kein bisschen verblasst zu sein scheint und immer noch mit Tagespizza und Cocktailaktionen wirbt.

Sonnenuntergang Australien
Perfekter Sonnenuntergang auf Great Keppel Island

Und welches ist nun mein australisches Wellness-Juwel Nummer eins?

Obwohl die Stadt Sydney mit ihrem lässigen Flair beeindruckt und mich die Tiere, Korallen und Pflanzen von Great Barrier Reef und Regenwald fasziniert haben, obwohl ich begeistert war vom Billabong Sanctuary und hingerissen von der Postkarten-Schönheit des Whitehaven Beach, obwohl ich so viele spannende, aufregende und wunderbare Erlebnisse hatte in den letzten Wochen in Australien… Meine unangefochtene Nummer eins der versteckten Wellness-Juwelen ist definitiv die „verwunschene Insel“ Great Keppel Island. Genauso habe ich mir früher immer das Paradies vorgestellt: Als Insel unter einem strahlend blauen Himmel irgendwo im türkisblauen Meer mit feinsandigen Strände, an denen mir niemand den sonnigsten Platz streitig machen will – außer vielleicht ein paar Möwen!

Australien
Hängematte für faule Wellness-Momente

Eine andere Idee zum Thema „Whitehaven Beach“ fand ich bei einer lieben Kollegin. Doch lest selbst 🙂

A big thank you goes to Geoff from Great Keppel Island Holiday Village for cooperating with me! I loved my time at Great Keppel Island and especially the stay in my beautiful and comfortable tent!

 

Erschienen in: Australien / Ozeanien

Schlagwörter: , ,
Rafaela Khodai

Hier schreibt Rafaela Khodai

Rafaela Khodai ist leidenschaftliche Welten- und Wellness-Bummlerin, hat bis auf Australien schon alle Kontinente bereist und fährt ungerne zweimal ins gleiche Hotel. Sie studiert Journalismus und arbeitet als Texterin, Lektorin, Journalistin und Bloggerin. Ihre Spezialgebiete: Selbst organisierte abenteuerliche Individualreisen, gesunde vegetarische Ernährung und Gewichtsmanagement.

Kommentar schreiben

Wir freuen uns über rege Beteiligung unserer Leser

Datenschutzhinweise: Die Kommentarangaben werden an Auttomatic, USA (die WordPress Entwickler) zur Spamüberprüfung übermittelt und die E-Mail Adresse an den Dienst Gravatar (ebenfalls Auttomatic), um zu prüfen, ob die Kommentatoren dort ein Profilbild hinterlegt haben. Zu Details hierzu , sowie generell zur Verarbeitung Ihrer Daten und Widerrufsmöglichkeiten, verweisen wir auf unsere Datenschutzerklärung. Sie können gern Pseudonyme und anonyme Angaben hinterlassen.